Zahnspange

Wann sind Zahnspangen wirklich sinnvoll? Was zahlt die Krankenkasse?

Jedes zweite Kind in Deutschland trägt eine Zahnspange – oft sind Fehlstellungen oder große Lücken zwischen den Zähnen der Grund. Raten Zahnärzte zu einem Besuch beim Kieferorthopäden, löst das bei Eltern viele Fragen aus.

Wann ist eine Zahnspange wirklich notwendig?

Das „perfekte“ Gebiss haben von Natur aus nur wenige. Sind die Milchzähne ausgefallen, wachsen die neuen Zähne häufig schief nach. Manchmal ist auch eine ausgeprägte Kieferfehlstellung schuld. Auch mit schiefen Zähnen können Kinder glücklich und gesund aufwachsen, doch nicht immer ist dies nur ein ästhetisches Problem. Ein Fehlbiss kann unter Umständen zum medizinischen Risiko werden und zu Beiß-, Kau- oder Sprechstörungen führen. In diesem Fall ist eine Behandlung mit einer Zahnspange sinnvoll, um Spätfolgen zu vermeiden.

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Die Korrektur ausgeprägter Fehlstellungen wird von den gesetzlichen Krankenkassen bis zum 18. Lebensjahr übernommen – sofern sie medizinisch notwendig ist. Wie schwer Fehlstellungen tatsächlich sind, regeln die Kieferorthopädischen Indikationsgruppen. Diese reichen von einer leichten Ausprägung (Schweregrad 1 und 2) bis zu schweren Entwicklungsstörungen (Schweregrad 5). Liegt die Fehlstellung im Schweregrad 1 oder 2, gilt sie als rein ästhetisch und wird nicht von der Krankenkasse übernommen.

In jedem Fall sollten Eltern oder Patienten vor der Unterzeichnung einer Kostenzusage Rücksprache mit ihrer Krankenkasse halten. Der gesetzliche Eigenanteil an den Behandlungskosten für eine Zahnspange beträgt 20 Prozent. Für gleichzeitig behandelte Geschwisterkinder sind es 10 Prozent. Nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung wird der geleistete Anteil rückerstattet.

Wie erhalten Eltern ihren Eigenanteil für die Zahnspange zurück?

  1. Pro Quartal stellt der Kieferorthopäde eine Rechnung aus. Diese sollten die Eltern unbedingt im Original aufbewahren.
  2. Zahnpflege ist ein Muss. Die Eltern haben darauf zu achten, dass ihre Kinder lose Klammern regelmäßig tragen und die Zähne gründlich putzen. Wird die Behandlung abgebrochen, gibt es kein Geld zurück.
  3. Nach Beendigung der Behandlung stellt der Kieferorthopäde eine Abschlussbescheinigung aus.
  4. Die Rechnungen und die Abschlussbescheinigung sind bei der Krankenkasse einzureichen. Gegebenenfalls muss ein zusätzliches Antragsformular ausgefüllt werden. Genaue Informationen dazu gibt die Krankenkasse.

Kann ich eine ärztliche Zweitmeinung einholen?

Auf jeden Fall! Insbesondere wenn teure Zusatzleistungen empfohlen werden oder gesunde Zähne sogar gezogen werden sollen, vereinbaren Betroffene und Eltern am besten einen Termin bei einem weiteren Kieferorthopäden und holen sich eine zweite Meinung. Auch bei Unsicherheit darüber, ob eine Zahnspange überhaupt notwendig ist, kann ein weiteres Gespräch helfen. Je mehr Informationen zur Verfügung stehen, desto leichter fällt die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung.

Sollten Kinder möglichst früh eine Zahnspange bekommen?

Lange Zeit lautete die weitverbreitete Meinung: Je früher, desto besser. Kinder erhalten ihre erste Zahnspange deshalb oft schon, bevor alle Milchzähne ausgefallen sind. Mittlerweile haben britische Wissenschaftler herausgefunden, dass sich das Behandlungsergebnis nicht verändert, wenn die Behandlung erst im Jugendalter begonnen wird. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung empfiehlt eine Zahnspange ebenfalls erst ab dem 10. bis 13. Lebensjahr.

Welche Zahnspange ist sinnvoll?

Ob ihr Kind eine lose oder festsitzende Zahnspange bekommt, hängt hauptsächlich vom Behandlungsaufwand ab. Häufig wird die Therapie mit einer herausnehmbaren Zahnklammer begonnen und später mit einer festen fortgesetzt. Mit losen Klammern lässt der Behandlungserfolg oft deutlich länger auf sich warten. Dies liegt daran, dass die Motivation sie zu tragen denkbar gering und der Zug auf die Zähne wesentlich schwächer ist. Dennoch eignet sie sich gut bei leichten Zahnfehlstellungen. Bessere Ergebnisse in deutlich kürzerer Zeit werden durch den konstanten Zug mit festen Klammern erzielt.

Lohnt sich eine Lingualzahnspange?

Die Lingualzahnspange ist einer normalen festen Zahnspange sehr ähnlich – außer dass sie innen angebracht wird. Von außen ist die Lingualspange also fast gar nicht mehr zu erkennen und ermöglicht eine „unsichtbare“ Zahnkorrektur. Diese Methode wird für Kinder und Jugendliche empfohlen, da sie häufig Angst vor Hänseleien im Zusammenhang mit der Zahnklammer haben. Lingualzahnspangen werden allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen, da sie eine ästhetische Lösung darstellen. Die Kostendifferenz zu einer herkömmlichen festen Klammer muss also selbst übernommen werden.

Was kostet eine Zahnspange?

Eine kieferorthopädische Behandlung ist ein langwieriger Prozess, der ganz individuell auf die medizinischen Bedürfnisse abgestimmt wird. Entsprechend unterschiedlich können die Kosten für eine Zahnspange ausfallen. Private Zusatzleistungen wie zahnfarbene Brackets und teure Materialen versprechen einen besseren Tragekomfort und eine verkürzte Behandlungsdauer. Sie sind aber nicht immer medizinisch sinnvoll. Solche Kosten müssen selbst übernommen werden, dabei sind Beträge von bis zu 1000 Euro keine Seltenheit.