Wer kann sich privat versichern?

Beamte, Selbständige und gutverdienende Arbeitnehmer sind die klassischen Kunden

Privat versichern kann sich nur, wer nicht versicherungspflichtig ist: Das sind Selbstständige und alle Arbeitnehmer mit einem Arbeitsentgelt oberhalb der Versicherungspflichtgrenze von 57.600 Euro pro Jahr. Wer für den Zeitraum eines Jahres die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAE) überschreitet, darf die gesetzliche Krankenversicherung verlassen.

Hier können Sie errechnen, wieviel die private Krankenversicherung kostet:

Wer wieder versicherungspflichtig wird, weil sein Einkommen unter die Pflichtgrenze sinkt, kann sich von der Versicherungspflicht befreien lassen. Das können unter bestimmten Voraussetzungen auch privat Versicherte, die arbeitslos werden oder eine Teilzeitstelle antreten. Wichtig ist: Wer sich einmal von der Versicherungspflicht befreien läßt, kann kaum noch zurück ins System der gesetzlichen Krankenversicherung. Nach Vollendung des 55. Lebensjahres ist ein Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung grundsätzlich ausgeschlossen.

Selbstständige und Beamte können sich unabhängig von ihrem Einkommen privat versichern. Beamte erhalten vom Staat eine Beihilfe zu den Krankheitskosten. Nach den Vorschriften des Bundes und der meisten Länder deckt sie für den Beamten selbst 50 Prozent der Aufwendungen (70 Prozent im Ruhestand), für Ehegatten 70 Prozent und für Kinder 80 Prozent. Die private Krankenversicherung bietet auf diese Beihilfe der Beamten abgestimmte Quotentarife und ist daher der gesetzlichen Krankenversicherung immer überlegen.

Auch Studenten und Ärzte im Praktikum können sich von der Versicherungspflicht in den gesetzlichen Kassen befreien lassen und sich eine private Krankenversicherung suchen. Schließlich können sich Künstler und Publizisten von der Versicherungspflicht befreien lassen. Aber auch hier gilt: Eine Freistellung versperrt den Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung für immer.

Rund sieben Millionen Menschen haben in Deutschland eine private Krankheitsvollversicherung abgeschlossen. Angestellte und Arbeiter, deren Arbeitseinkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, sind Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. Sie können keine private Vollversicherung abschließen. Wer dennoch Privatpatient sein möchte, kann sich für eine private Zusatzversicherung zur gesetzlichen entscheiden. Rund 7,5 Millionen Menschen haben in Deutschland eine solche Zusatzversicherung abgeschlossen.

Übrigens

Eine "Anwartschaftsversicherung" kann während der Zeit, in der Leistungsansprüche gegenüber anderen Versicherungsträgern bestehen, die Rechte aus einer privaten Krankheitsversicherung bewahren. Beim Wiederaufleben der Leistungen sind entweder zwischenzeitlich aufgetretene Krankheiten in den Versicherungsschutz einbezogen (kleine Anwartschaft) oder zusätzlich auch Alterungsrückstellungen aufgebaut worden (große Anwartschaft). So sichern sich zum Beispiel Polizisten und Soldaten mit Anspruch auf freie Heilfürsorge die Vorteile einer frühzeitig abgeschlossenen privaten Krankenversicherung.

Auch für arbeitslos gewordene Privatversicherte kann die Anwartschaftsversicherung interessant sein, denn Arbeitslose werden automatisch in den gesetzlichen Kassen versicherungspflichtig, wenn sie nicht bereits das 55. Lebensjahr vollendet haben. Dauert die Arbeitslosigkeit weniger als ein Jahr, so ist auch ohne Anwartschaftsversicherung ein Wiederaufleben des früheren privaten Versicherungsvertrages zu den alten Bedingungen möglich. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich bei Beginn der Arbeitslosigkeit von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung befreien zu lassen, sofern seit mindestens 5 Jahren ein privater Krankenversicherungsschutz besteht.