Wie könnte die Beitragsentwicklung langfristig aussehen?

Wer fängt Kostensteigerungen besser auf?

Allgemeine Kostensteigerungen
Der medizinisch-technische Fortschritt führt zu besseren, aber in der Regel teureren Behandlungsverfahren. Auch Medikamente werden teurer und die Ärzte wollen mehr verdienen. Diese Kostensteigerungen treffen aber private und gesetzliche Krankenversicherung gleichermaßen. Sie sind für eine Entscheidung zwischen beiden Systemen nicht von erheblicher Bedeutung.

Politische Unsicherheit
Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung kann der Gesetzgeber bei Kostensteigerungen Einschnitte bei den Leistungen beschließen. Bei den privaten Versicherern ist die Lage leichter einzuschätzen: Das im Grundgesetz gesicherte Eigentumsrecht schützt vor Eingriffen. Vertraglich zugesicherte Leistungen muss eine private Krankenversicherung in jedem Fall auch erbringen. An den Konditionen kann sie nichts ändern.

Altersabhängige Kostensteigerungen
Ältere Menschen sind statistisch gesehen häufiger und schwerer krank als jüngere. Sie verursachen damit höhere Kosten im Gesundheitswesen - sowohl für die gesetzliche als auch für die private Krankenversicherungsgemeinschaft.

Die private Krankenversicherung versucht dieses Problem zu lösen, indem sie von Anfang an vom Versicherten mehr Beitrag verlangt als eigentlich erforderlich ist. Dieser Mehrbeitrag wird angespart. Mit steigendem Alter steigt auch die Kostenbelastung. Irgendwann erreicht die Kostenbelastung den tatsächlich bezahlten Beitrag. Von diesem Zeitpunkt an wird das angesparte Kapital aufgebraucht. Auf diese Weise wird der Beitrag auch für die älteren Versicherten konstant gehalten. Der Unsicherheitsfaktor: Das Ganze funktioniert nur, wenn

  • der Versicherer die Entwicklung an den Kapitalmärkten richtig eingeschätzt hat,
  • die Krankheitshäufigkeit sich - gemessen an der Alterstruktur - nicht ändert,
  • die allgemeine Kostensteigerung im Gesundheitswesen vom Versicherer richtig vorausgesehen wurde.

Tatsächlich haben in der Vergangenheit einige Versicherungsgesellschaften die Altersrückstellung zu niedrig kalkuliert. Seit 1995 müssen die Altersrückstellungen deshalb wesentlich höher dotiert werden. Dennoch: Bei der privaten Krankenversicherung gibt es Unsicherheiten bezüglich der in Zukunft geltenden Werte.

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung wird der Beitrag nicht durch die Risikofaktoren Alter oder Geschlecht bestimmt. Er ist ausschließlich vom Einkommen abhängig. Zu einer Beitragssteigerung wegen des Alters des Versicherten kann es deshalb nicht kommen. Die Beiträge können aber für alle Versicherten gleichermaßen steigen und fallen.

Durch das von der gesetzlichen Krankenversicherung praktizierte Umlageverfahren können sich langfristig tatsächlich Änderungen der Beitragssätze ergeben. Denn der Anteil der über 60-jährigen wird sich im Jahr 2025 gegenüber heute von 20 auf 40 Prozent verdoppeln. Angesichts ihrer heute schon angespannten finanziellen Lage können sich die gesetzlichen Krankenkassen auch nicht durch Ansparen auf diese Situation vorbereiten. Wenn der Steuerzahler nicht in erheblichem Maße einspringt oder unser Gesundheitswesen umfassend reformiert wird, sind erhöhte Beiträge vorprogrammiert.


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