Systemunterschied auf der Leistungsseite

Die private Krankenversicherung ist für den Arzt interessanter

Betrachtet man den Leistungsunterschied zwischen privater und gesetzlicher Krankenkasse, scheinen Privatversicherte im Vorteil. Nach Ansicht der Verfechter der privaten Krankenkassen erhalten privat Versicherte beim Arzt oder im Krankenhaus bessere Leistungen:

  • Weil der Arzt für die Behandlung von Privatpatienten mehr Geld berechnen darf als bei gesetzlich Versicherten. Einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge ist das Honorar für die Behandlung von Privatpatienten mehr als doppelt so hoch wie für die Behandlung von gesetzlich Versicherten. Der Arzt wird sich deshalb für die Behandlung mehr Zeit nehmen und dem Privatpatienten vielleicht größere Aufmerksamkeit widmen.
  • Weil der Arzt die Behandlungsmethode in größerer Freiheit als bei der gesetzlichen Regelleistung wählen kann. Er wird entscheiden, ohne gleichzeitig in Kostenzwängen und Budgetgrenzen denken zu müssen. Das gilt auch für die Verordnung von Medikamenten.
  • Weil im Krankenhaus eine privatärztliche Spezialistenbehandlung (zum Beispiel durch den Chefarzt) möglich ist und der Arzt frei gewählt werden kann.

Am klarsten wird der Leistungsunterschied zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, wenn man sich verdeutlicht, dass man zur gesetzlichen eine private Zusatzversicherung abschließen muss, um das Leistungsniveau der privaten Kassen zu erreichen. 7,5 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen haben sich für diesen Weg entschieden.

Um diesen Leistungsunterschied bemessen zu können, haben wir einen repräsentativen Zusatzversicherungstarif herausgesucht, der für einen gesetzlich Krankenversicherten einen kompletten privatärztlichen Schutz gewährleistet. Hierfür entstehen für einen Mann zwischen 25 und 29 Jahren Kosten von rund 80 Euro im Monat. Für eine Frau im gleichen Alter liegen die Mehrkosten bei rund 100 Euro. Für ein Kind bis 14 Jahren bei rund 25 Euro. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Beiträge, die zusätzlich zur gesetzlichen Krankenversicherung anfallen. Es handelt sich - vereinfacht gesagt - um den in Zahlen ausgedrückten Mehrwert der privaten Krankenversicherung auf der Leistungsseite.

Dennoch: Auch in der gesetzlichen Krankenversicherung werden keine Abstriche bei der notwendigen Versorgung gemacht. Wer in Deutschland krank wird, erhält immer eine Behandlung auf dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft. Das gilt natürlich auch für komplizierte und aufwendige Behandlungen. Deshalb kann allein die Betrachtung der Leistungsseite nicht zu einer ausreichend abgewägten Entscheidung führen.

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Hier finden Sie Hinweise zu Kosten und Leistungsumfang in der privaten Krankenversicherung anhand von Tarifbeispielen: