Pflegeversicherung

Neue Einteilung in Pflegegrade statt Pflegestufen

Die Pflegeversicherung ist verpflichtend für alle gesetzlich und privat Versicherten in Deutschland. Menschen, die Pflege benötigen, können selbst entscheiden, ob sie von Pflegekräften oder von Angehörigen gepflegt werden wollen. Ihnen wird dann entweder professionelle Hilfe oder eine Geldsumme für die Angehörigen bereitgestellt. Je nach Pflegegrad reicht die Leistung der Pflegeversicherung unter Umständen nicht aus, sodass eine zusätzliche private Pflegeversicherung sinnvoll sein kann.

Die Beiträge zur Pflegeversicherung werden bei Beschäftigten zur Hälfte von den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen selbst und zur Hälfte vom Arbeitgeber bezahlt. Seit Anfang 2017 beträgt der Beitragssatz für gesetzliche Versicherte zur Pflegeversicherung 2,55 Prozent vom Bruttogehalt oder der Rente. Kinderlose über 23 zahlen einen höheren Beitrag von 2,8 Prozent. Die maximale Beitragshöhe der gesetzlichen Pflegeversicherung beträgt rund. 113 Euro für Versicherte mit Kindern oder 124 Euro für Kinderlose monatlich.

Das Jahr 2017 brachte im Bereich der Pflegeversicherung einige Neuerungen mit sich: So wurde ein neues Prüfverfahren eingeführt, durch welches geistig und psychisch Erkrankte zukünftig mit körperlich Erkrankten gleichgestellt werden. Die bisherige Einstufung in die Pflegestufen null bis drei wurde dabei von den neuen sogenannten Pflegegraden eins bis fünf abgelöst.

Ausschlaggebend für die Einstufung in einen dieser Pflegegrade ist nun die Selbstständigkeit der Erkrankten in den Bereichen Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Diese Kriterien werden anhand eines Fragenkatalogs durch einen Gutachter geprüft. Auf Grundlage des Gutachtens entscheidet die zuständige Pflegekasse darüber, ob der Pflegegrad zugebilligt wird. Die Begutachtung erfolgt dabei anhand eines Punktesystems. Dabei gilt: Je mehr Punkte vergeben werden, desto höher ist der Pflegegrad und die entsprechende Leistung.
Im Gegensatz zum alten Verfahren der Einteilung nach Pflegestufen, bei dem nur der Hilfsbedarf in den Bereichen Mobilität, Ernährung, Körperpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung ermittelt wurde, fällt beim Gutachten nach Pflegegraden nun auch die Erfassung der zur Pflege benötigten Zeit weg.

Von den Änderungen im Bereich der Pflegeversicherung profitieren vor allem Pflegebedürftige, die zu Hause durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine Tages- und Nachtpflege versorgt werden. Besonders deutlich erhöht sich die Leistung für Demenzkranke, die bisher in die Pflegestufe 0 fielen und nun automatisch in den Pflegegrad 2 eingestuft werden. Gleiches gilt für Pflegebedürftige der bisherigen Pflegestufe 1.

Weniger nutzen die Änderungen hingegen für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflege- und Altenheimen in vollstationärer Dauerpflege. Hier erhöhen sich die Zuzahlungen für körperlich Erkrankte. Im Detail stehen Pflegebedürftigen mit gesetzlicher Pflegeversicherung nach dem neuen System folgende Leistungen zu:

  • Empfänger des Pflegegrades 1, die zuvor in keiner Pflegestufe eingestuft wurden, erhalten nun 125 Euro monatlich.
  • Empfängern des Pflegegrades 2, die zuvor unter Pflegestufe 0 und 1 erfasst wurden, stehen nun 316 bis 770 Euro monatlich zur Verfügung.
  • Pflegegrad 3-Empfänger (vorher Pflegestufe 2) erhalten nach dem neuen System 545 bis 1298,
  • Pflegegrad 4-Empfänger (vorher Pflegestufe 3) 728 bis 1775.
  • Sogenannte Härtefälle, die nun in Pflegegrad 5 eingestuft werden, erhalten 901 bis 2005 Euro monatlich.

Ein Pflegebedürftiger, der von einer sogenannten eingeschränkten Alltagskompetenz betroffen ist, wird jeweils einen Pflegegrad höher eingestuft und erhält somit mehr Geld. Die eingeschränkte Alltagskompetenz wird anhand des neuen Prüfungsverfahrens zusammen mit dem Pflegegrad festgestellt.

Da die gesetzliche Pflegeversicherung trotz teilweise gestiegener Leistungen oft nicht ausreicht, um die tatsächlichen Pflegekosten zu bestreiten, kann man zusätzlich eine private Pflegeversicherung abschließen. Die private Pflegeversicherung wird in drei Varianten angeboten:
Die Pflegetagegeldversicherung zahlt einen vorher vereinbarten Tagessatz pro Pflegetag. Bei der Pflegetagegeldversicherung erhält der Versicherte für jeden Tag der Pflegebedürftigkeit einen vorher festgelegten Betrag. Damit ist der Pflegebedürftige in der Wahl der Pflege sehr flexibel. Außerdem spart man sich Streitereien mit der Versicherungsgesellschaft über Pflegeformen und deren Kosten. Der Abschluss einer privaten Pflegetagegeldversicherung wird unter bestimmten Bedingungen vom Staat mit fünf Euro pro Monat gefördert (Pflege-Bahr).

Die Pflegekostenversicherung erstattet die tatsächlich nachgewiesenen Kosten. Häufig wird hier die Zahlung eines bestimmten Prozent-Anteils an den tatsächlichen Pflegekosten vereinbart. Dadurch wird die Pflege durch Angehörige in geringerem Maße vergütet als die Betreuung durch Pflegedienste.

Die Pflegerentenversicherung kombiniert Versicherungsschutz und Sparvertrag. Pflegebedürftige erhalten für die Dauer der Pflegebedürftigkeit eine vorher festgeschriebene Pflegerente. Im Vergleich zur Pflegekostenversicherung und zur Pflegetagegeldversicherung ist die Pflegerentenversicherung die teuerste Form der Pflegeversicherung und wohl nur im Ausnahmefall sinnvoll.