Arztbesuch in Deutschland

Einfache Regeln für EU-Bürger

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland ist geprägt von einem dichten Netz von Hausärzten und Fachärzten. Die überwiegende Zahl der ärztlichen Behandlungen in Deutschland wird von "Kassenärzten" erbracht. Sie behandeln gesetzlich Krankenversicherte und rechnen die Leistungen direkt mit der Krankenkasse ab. 

Wer keiner gesetzlichen Krankenkasse angehört, wird als "Privatpatient" behandelt. Er zahlt die Behandlung zunächst selbst und erhält dann eine Erstattung von seiner privaten Krankenversicherung. Ärzte erhalten bei der Behandlung von Privatpatienten ein höheres Honorar. In Deutschland sind rund 73 Millionen Menschen gesetzlich und fast 9 Millionen privat versichert.

Gesetzlich Versicherte EU-Bürger bei kurzem Aufenthalt
Wer in der EU gesetzlich krankenversichert ist, kann Leistungen genau wie ein in Deutschland gesetzlich Versicherter in Anspruch nehmen. Dies gilt für alle Behandlungen, die sich während des Aufenthaltes als medizinisch notwendig erweisen. Der Nachweis über die gesetzliche Krankenversicherung wird über die "Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)" erbracht. Beim Arztbesuch sollten gesetzlich Versicherte aus der EU darauf achten, dass der Arzt mit Krankenkassen abrechnen darf. Am Praxisschild steht dann in der Regel "Alle Kassen". Vorsicht: "Privatärzte" ohne Krankenkassen-Zulassung stellen die Behandlung in Rechnung.

Beim Arzt legt der Patient die EHIC sowie den Pass oder Personalausweis vor. Wer seine EHIC nicht vorlegen kann, muss sich vor dem Arztbesuch über die Krankenkasse in seinem Heimatland eine "Provisorische Ersatzbescheinigung für die Europäische Krankenversicherungskarte (PEB)" besorgen. Dies kann auch kurzfristig per Fax oder E-Mail geschehen.

Beim Arzt legt der Patient neben der EHIC noch die "Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung" vor. Mit dieser Erklärung wählt man die Krankenkasse, über die der Arzt seine Leistungen abrechnen soll. Dies ist für den Arzt wichtig, denn er muss seine Leistungen mit einer der vielen Krankenkassen abrechnen. Für Besucher, die sich nur kurz in Deutschland aufhalten, eine Formalität ohne Bedeutung. Das Formular kann unten auf dieser Seite abgerufen werden, wird aber auch von den Arztpraxen ausgehändigt. 

Die Behandlung rechnet der Arzt dann mit der Krankenkasse ab. Er stellt - wenn nötig - auch Überweisungen zu Fachärzten oder ins Krankenhaus aus. Wenn Medikamente verschrieben werden, erhält der Patient ein "Kassenrezept", das er in jeder Apotheke einlösen kann. Dabei wird eine Zuzahlung zwischen 5 und 10 Euro fällig.

Wer den Arzt als "Privatpatient" aufsuchen möchte, muss zusätzlich eine Gästeversicherung abschließen. Diese Versicherung ist nicht teuer, ist aber mit Vorteilen bei der Terminvergabe verbunden. Denn die ärztliche Behandlung wird bei Privatpatienten besser honoriert. Schließlich ist es mit einer Gästeversicherung möglich, auch Privatärzte aufzusuchen, die keine Kassen-Patienten behandeln. Ein weiterer Nachteil der gesetzlichen Krankenversicherung kann so auch ausgeglichen werden: Der Rücktransport ins Heimatland bei schwerer Erkrankung wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Hier würde die Gästeversicherung einspringen.

Gesetzlich versicherte EU-Bürger, die zu einer medizinischen Behandlung einreisen
Wer in einen anderen EU-Land gesetzlich versichert ist und zu einer medizinischen Behandlung einreist, muss sich vor Behandlungbeginn mit dem Nachweis-Formular E 112 oder S2 an eine deutsche Krankenkasse wenden. Das Formular E 112 oder S2 wird von der Krankenkasse im Heimatland ausgestellt. Die gewählte deutsche Krankenkasse tauscht das vorgelegte Formular dann gegen einen Abrechnungsschein ein. Dort werden auch die geplante Behandlung und eventuelle Einschränkungen genannt. Den Abrechnungsschein legt der Patient dann dem behandelnden Arzt vor.

(Die oben erläuterten Regeln gelten für Besucher aus der EU/EWR/Schweiz: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern sowie Großbritannien)

Besondere Regeln für Besucher aus Ländern mit bilateralem Abkommen
Die Länder Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Türkei, Tunesien haben mit der Bundesrepublick Deutschland bilaterale Abkommen über Soziale Sicherheit geschlossen.  Besucher aus diesen Länder müssen sich zunächst an eine Krankenkasse ihrer Wahl in Deutschland wenden. Sie legen dort den von der gesetzlichen Krankenversicherung in ihrem Heimatland ausgestellt Anspruchsnachweis vor. Die deutsche Kankenkasse erstellt dann einen Abrechnungsschein. Diesen Abrechnungsschein legt der Patient dem Arzt vor Beginn der Behandlung vor. Gewährt werden dann gleichen Sachleistungen, die auch einem in Deutschland gesetzlich Versicherten Patienten zustehen würden. Der Umfang des Behandlungsanspruch hängt vom Charakter des Aufenthalts in Deutschland ab und geht aus dem Abrechnungsschein hervor.

Besucher aus dem Ausland (nicht EU)
Besucher aus Ländern, die nicht der EU angehören und weiter oben nicht genannt sind, werden in Deutschland als "Privatpatienten" behandelt. Das bedeutet, dass der Arzt eine Rechnung stellt, die der Patient zunächst selbst bezahlt und später mit seiner Versicherung abrechnet. Der Status als Privatpatient hat den Vorteil, dass Ärzte für die Behandlung im Vergleich zu "Kassenpatienten" besser bezahlt werden und deshalb Privatpatienten bei der Terminvergabe in der Regel bevorzugen.

Damit die Bezahlung der ärztlichen Leistungen sichergestellt ist, gilt in Deutschland eine Versicherungspflicht - auch bei kurzen Aufenthalten. Wer über keine in Deutschland anerkannte Versicherung verfügt, kann sich für einen kurzen Aufenthalt zu geringen Kosten versichern. Hier finden Sie die Anbieter von Gästeversicherungen.

Muster der Formulare für Arztbesuche von EU-Bürgern

Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung (PE)
Die Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung (PE, Formular G81) muss dem behandelnden Arzt zusammen mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) vorgelegt werden.

PE Englisch-DeutschPatient’s Declaration European Health Insurance
PE Französisch-DeutschDéclaration du Patient Assurance Maladie Européenne
PE Spanisch-DeutschDeclaración del paciente seguro médico Europeo

PE Bulgarisch-DeutschДекларация на пациента Европейско здравно осигуряване
PE Dänisch-DeutschPatienterklæring Europæisk Sygesikring
PE Griechisch-DeutschΔήλωση ασθενούς Ευρωπαϊκή ασφάλιση ασθενείας
PE Italienisch-DeutschDichiarazione del paziente Assicurazione malattia europea
PE Kroatisch-DeutschIzjava pacijenta Europsko zdravstveno osiguranje
PE Niederländisch-DeutschPatiëntenverklaring Europese Zorgverzekering
PE Polnisch-DeutschEuropejskie ubezpieczenie zdrowotne – oświadczenie pacjenta
PE Rumänisch-DeutschDeclaraţie a pacientului Asigurarea europeană de sănătate
PE Tschechisch-DeutschProhlášení pacienta Evropské zdravotní pojištění
PE Ungarisch-DeutschEurópai Egészségbiztosítási betegnyilatkozat


Provisorische Ersatzbescheinigung (PEB)
Die Provisorische Ersatzbescheinigung (PEB) wird von der Krankenversicherung im Heimatland des Besuchers ausgestellt.

Deutsch: Provisorische Ersatzbescheinigung (PEB)
Englisch: Provisional Replacement Certificate (PRC)
Französisch: Certificat provisoire de remplacement (CPR)
Spanisch: Certificado Provisional Sustitutorio (CPS)

Bulgarisch: Удостоверение за временно заместване (УВЗ)
Dänisch: Provisorisk erstatningsbevis (PEB)
Griechisch: Πιστοποιητικό Προσωρινής Αντικατάστασης (ΠΠΑ)
Italienisch: Certificato Sostitutivo Provvisorio (PEB)
Niederländisch: Voorlopig vervangend ziekteverzekeringsbewijs (PEB)
Polnisch: Certyfikatem Zastępczym (PEB)
Rumänisch: Certificat provizoriu de înlocuire a CEASS (PEB)
Tschechisch: Potvrzení dočasně nahrazujícího Evropský průkaz zdravotního pojištění


Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)

Deutsch: Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)
Englisch: European Health Insurance Card (EHIC)
Französisch: Carte européenne d’assurance maladie (CEAM)
Spanisch: Tarjeta Sanitaria Europea (TSE)

Bulgarisch: Европейска здравноосигурителна карта (ЕЗОК)
Dänisch: Forelægger et europæisk sygesikringskort (EHIC)
Griechisch: ευρωπαϊκή κάρτα ασφάλισης ασθένειας (EΚΑΑ)
Italienisch: Tessera Europea di Assicurazione Malattia (TEAM)
Kroatisch: Europsku karticu zdravstvenog osiguranja (EHIC)
Niederländisch: Europese gezondheidskaart (EHIC-pas)
Polnisch: Europejską Kartą Ubezpieczenia Zdrowotnego (EKUZ)
Rumänisch: Card european de asigurări sociale de sănătate (CEASS)
Tschechisch: Evropského průkazu zdravotního pojištění (EHIC)
Ungarisch: Európai Egészségbiztosítási Kártyával (EHIC)