Zahnzusatzversicherungen: Angebote unter die Lupe nehmen

Wann zahlt der Versicherer wie viel Prozent wovon?

Für viele gesetzlich Krankenversicherte ist eine Zahnbehandlung seit Anfang 2005 teurer. Seitdem zahlen die Krankenkassen für Kronen, Brücken und anderen Zahnersatz nur noch Festzuschüsse zu den Behandlungskosten, den Rest tragen die Patienten. Wer mehr verlangt als den Standard und besseres Material haben will, der muss tiefer in die Tasche greifen. Private Versicherer bieten daher Zahnzusatzversicherungen an, mit denen der Patient seine Kosten deutlich senken kann. Doch Verbraucherschützer raten vor einem Vertragsabschluss einer Zusatzversicherung für die Zähne die Angebote genau zu vergleichen. Verbraucherschützer empfehlen, die Angebote unter einer Kernfrage zu bewerten: Wann zahlt der Versicherer wie viel Prozent wovon?

Auch Zahnmediziner warnen davor, den Abschluss einer Zusatzversicherung für die Zähne zu überstürzen. Die meisten Patienten bekommen von der eigenen gesetzlichen Krankenkasse ein Angebot für eine Zahnzusatzversicherung. Das muss aber nicht das beste und günstigste sein. Man sollte das Angebot daher nicht einfach unterschreiben.

Wer sich dann näher mit den angebotenen Zahnzusatzversicherungen unter den Namen Optident, dent50 oder ZahnOnTop beschäftigt, steht vor einem Dilemma: Der dargestellte Zahlensalat ist nicht durchschaubar oder vergleichbar. Zwar erstattet jede Versicherung einen Prozentsatz der Kosten. Doch wichtig ist, auf welchen Basisbetrag sich dieser Prozentsatz bezieht. Am besten sind Tarife für die Zusatzversicherung Zähne, die sich am gesamten Rechnungsbetrag beteiligen. Eine Erstattung von 40 Prozent des gesamten Rechnungsbetrages ist mehr wert als eine Erstattung in Höhe von 50 Prozent vom Festzuschuss der gesetzlichen Krankenkasse.

Entscheidend ist zudem, wie die die Zahnzusatzversicherung mit dem Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse umgeht. Manche rechnen ihn auf ihre eigene Leistung an. Ein Tarif, der 50 Prozent des Rechnungsbetrags ohne Anrechnung des Kassenzuschusses ersetzt, leistet daher etwa so viel wie einer, der zusammen mit dem Kassenzuschuss 75 Prozent der Rechnung deckt. Geklärt werden muss auch, ob eine Police Leistungen ausschließt, Verblendungen an den hinteren Backenzähnen etwa, oder Erstattungen auf Höchstgrenzen beschränkt.

Die Zahnzusatzversicherer schauen sehr genau hin, wann der Zahnarzt etwas zuerst diagnostiziert hat. Wer bei Schäden an den Zähnen, abgesehen von Unfällen, schnell eine Versicherung abschließt und rasche Kostenerstattung erwartet, liegt falsch. Acht Monate müssten Patienten warten, bevor sie die erste Rechnung an ihre Zahnzusatzversicherung einsenden dürfen. Viele Versicherer begrenzen zudem die Erstattung in den ersten Vertragsjahren.

Vor Versicherungsabschluss mit Zahnarzt sprechen
Interessieren sich Patienten für eine Zahnzusatzversicherung, sollten sie zunächst mit ihrem Zahnarzt sprechen. «Da muss der Behandlungsbedarf individuell abgeklärt werden», erläutert Heiner Jacoby, Zahnarzt in Arnsberg und Präsident des Deutschen Zentrums für orale Implantologie (D.Z.O.I.). Erst mit dem Wissen über künftig anstehende Zahnersatzleistungen oder Zahnbehandlungen sollte man sich dann auf die Suche nach einer passenden Zusatzversicherung machen.

Wenige Zahnzusatzpolicen «sehr gut» - Abschluss lohnt trotzdem
Die Leistungen der meisten Zahnzusatzversicherungen sind laut einer neuen Untersuchung von Stiftung Warentest nur ausreichend oder befriedigend. Lediglich 3 von 140 getesteten Tarifen erhielten das Urteil sehr gut. Trotzdem könne sich eine private Zahnzusatzversicherung lohnen. Das gelte vor allem dann, wenn ein Patient auf teureren Zahnersatz Wert legt - und auf höherwertige Materialien, als in der Regelversorgung vorgesehen.

Das wichtigste Kriterium für eine Zusatzversicherung Zähne ist nach Angaben der Warentester, in welcher Höhe die Versicherung sich an den Kosten für medizinisch notwendigen Zahnersatz - also Kronen, Brücken oder Prothesen - beteiligt. Die Kassen zahlen hierzu nur einen Festzuschuss. Und ein Tarif, dessen Leistung 100 Prozent dieses Festzuschusses beträgt, leistet den Angaben nach im Grundsatz insgesamt weniger als ein Tarif, der 50 Prozent des Gesamtrechnungsbetrags zahlt.

Kosmetische Leistungen wie das Bleichen der Zähne werden von den Policen nicht abgedeckt. Und häufig beworbene Extras wie zahnerhaltende Behandlungen sind laut Stiftung Warentest nicht unabdingbar. Geht es einem Patienten nur darum, den Eigenanteil an der Regelversorgung der Krankenkassen gering zu halten, sei eine Zusatzversicherung nicht unbedingt nötig. Sie könne aber helfen, finanzielle Engpässe zu vermeiden, schreiben die Experten - etwa wenn mehrere Zähne saniert werden müssen.