Sechs Krankenkassen fordern von Hartz IV-Empfängern Zusatzbeitrag

Bei drei Krankenkassen bleibt es bei der Befreiung vom Zusatzbeitrag

Eigentlich sollten Hartz IV-Empfänger den Zusatzbeitrag seit 1. Januar 2011 nicht mehr selbst bezahlen. Sechs Krankenkassen werden diesen Zusatzbeitrag dennoch auch weiter von den Mitgliedern verlangen, die Hartz IV (Arbeitslosengeld II) erhalten. Diese Krankenkassen nutzen eine Gestaltungsmöglichkeit, die ihnen die Gesundheitsreform 2011 gelassen hat: Sie haben ihre Satzung geändert, um auch von Hartz IV-Empfängern weiter den Zusatzbeitrag fordern zu können. Drei weitere Krankenkassen mit Zusatzbeitrag verzichten auf eine Satzungänderung, dann müssen die übrigen zahlungskräftigeren Mitglieder den entsprechenden Einnahmeausfall tragen. Dies entspricht einem Krankenkassen-internen Sozialausgleich.

Mit der Gesundheitsreform wird der Ausfall des Zusatzbeitrags von Hartz IV-Empfängern grundsätzlich durch eine Zuweisung aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds ausgeglichen. Dies gilt aber nur bis zur Obergrenze des durchschnittlichen Zusatzbeitrags. Dieser durchschnittliche Zusatzbeitrag ist ein fiktiver Wert, der vom Bundesgesundheitsministerium festgestellt wird und die finanzielle Situation aller Krankenkassen in Deutschland spiegeln soll. Da das Ministerium nicht von einer finanziellen Unterdeckung des gesamten Systems der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeht, hat es diesen durchschnittlichen Zusatzbeitrag auf null Euro festgelegt.

Die Differenz zwischen durchschnittlichem Zusatzbeitrag und individuellem Zusatzbeitrag der eigenen Krankenkasse - dies entspricht also dem gesamten Zusatzbeitrag - müssen nun auch die Mitglieder tragen, die Hartz IV (Arbeitslosengeld II) erhalten - wenn die betroffene Krankenkasse dies in ihrer Satzung so festgelegt hat.

Krankenkassen-Zusatzbeitrag bei Hartz IV-Bezug
KrankenkasseZusatzbeitrag je MonatZusatzbeitrag bei Hartz-IV?
BKK advita8 EuroJa
BKK für Heilberufe10 EuroNein
BKK Gesundheit8 EuroJa
BKK Phoenix8 EuroNein
BKK Publik - Partner der BKK Salzgitter8 EuroJa
CITY BKK und KRANKE KASSE15 EuroJa
DAK8 EuroJa
Deutsche BKK8 EuroJa
KKH Allianz8 EuroNein

 

Tatsächlich stellte die Neuregelung im Rahmen der Gesundheitsreform 2011 die Krankenkassen, die einen Zusatzbeitrag erheben, vor eine schwierige Entscheidung. Bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von null Euro konnten Sie

  • auf das Einfordern der Differenz zu ihrem eigenen Zusatzbeitrag verzichten. Konsequenz: Die übrigen Mitglieder werden stärker belastet und an einem Krankenkassen-internen Sozialausgleich mitbeteiligt. Für diese Möglichkeiten haben die KKH-Allianz, die BKK für Heilberufe und die BKK Phoenix optiert.
  • durch eine Satzungsänderung von ihren Mitgliedern, die Hartz IV (Arbeitslosengeld II) erhalten, den Zusatzbeitrag weiter verlangen. Für diese Variante haben sich die großen Krankenkassen DAK, BKK Gesundheit und Deutsche BKK entschieden. Auch die City BKK, die BKK advita und die BKK Publik verlangen den Zusatzbeitrag von Hartz IV-Beziehern.

Die betroffenen Hartz IV (Arbeitslosengeld II)-Empfänger können die Zahlung des Zusatzbeitrags umgehen, in dem sie die Krankenkasse wechseln. Nach einer Aufstellung von Krankenkassen.de plant die große Mehrheit der Krankenkassen, 2011 keinen Zusatzbeitrag zu erheben. Vier Krankenkassen schütten sogar eine Prämie aus. Bis zu 60 Euro an Beiträgen werden jährlich an das Krankenkassen-Mitglied zurückgezahlt. Diese Prämie können auch Bezieher von Hartz IV (Arbeitslosengeld II) erhalten.

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