Die Entscheidung: Ausgangslage für den Berufsstarter

"Optimierungsproblem unter Unsicherheit"

Die Ausgangslage: Unsicherheit bleibt
Wer drei Jahre lang mit seinem Einkommen die Pflichtversicherungsgrenze überschreitet (2009 sind das 48.600 Euro jährlich, oder 4050,00 Euro monatlich), hat ein Wahlrecht zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Die Entscheidung fällt nicht leicht. Der Mathematiker würde von einem "Optimierungsproblem unter Unsicherheit" sprechen. Oder einfacher gesagt: Sie müssen entscheiden, wissen aber nicht,

  • ob und wann Sie heiraten werden,
  • ob Ihr Ehepartner berufstätig sein wird,
  • ob und wieviele Kinder Sie gemeinsam haben werden.

Dennoch ist eine frühzeitige Entscheidung sinnvoll, denn der Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung ist keine neutrale Warteposition. Je später der Wechsel in die private Krankenversicherung erfolgt, um so größer die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der Risikoprüfung zu Problemen kommt. Aber auch bei bester Gesundheit ist aufgrund des höheren Eintrittsalters der Beitrag zur privaten Krankenversicherung höher als bei einem frühzeitigen Beitritt.

Im Folgenden werden "auf einen Blick" zwei in ihrem grundlegen Ansatz unterschiedliche Versicherungssysteme verglichen. Die Ergebnisse sind nur erste Anhaltspunkte, auf keinen Fall eine ausreichende Entscheidungsgrundlage. Jeder ganz individuelle Einzelfall sollte in Ruhe durchdacht werden, denn eine Entscheidung hat sehr langfristige Auswirkungen.

Fall 1: Der ewige Single und das kinderlose Doppelverdiener-Paar
Wer jung, gesund, ledig und kinderlos ist und bleiben möchte (und über der Beitragsbemessungsgrenze verdient), fährt mit der privaten Krankenversicherung besser. Das gleiche gilt, wenn in einer Ehe oder Partnerschaft beide Partner über der Beitragsbemessungsgrenze verdienen und keine Kinder möchten. Gegen die private Krankenversicherung spräche dann wohl nur noch ein gesellschaftliches Argument: Man entzieht sich der Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung und schlägt sich auf die Seite der echten Risikogemeinschaft der privaten Krankenversicherung.

Fall 2: Nur ein Ehepartner erzielt das Familieneinkommen
Die gesetzliche Krankenversicherung spielt ihren Vorteil voll aus, wenn ein Ehepartner keine eigenen Einkünfte hat. Bewertet man den Unterschied bei den Leistungen nicht, ist das Ergebnis des Vergleichs:

  • Ist die Ehe kinderlos, ist der Eintritt in die private Krankenversicherung in der Regel günstiger. Bei normaler Gesundheit wird bei Berufsstartern der Beitrag zur privaten Krankenversicherung die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übersteigen.
  • Kommen Kinder dazu, können die Beiträge der ganzen Familie zur privaten Krankenversicherung schon ab dem ersten Kind höher als in der gesetzlichen sein. Wer nur aufs Geld schaut und bei der privaten Krankenversicherung keinen Leistungsvorteil sieht, könnte schon vom ersten Kind an mit der gesetzlichen unter Umständen günstiger fahren. Jedenfalls sollte genau nachgerechnet werden.

Anhänger der privaten Krankenversicherung finden es angemessener, wenn man beim Vergleich das höhere Leistungsniveau der privaten Krankenkassen berücksichtigt. Dies kann man am gerechtesten tun, indem man bei der gesetzlichen die Kosten einer entsprechenden Zusatzversicherung hinzuzählt. Dann ergibt sich folgendes Ergebnis:

  • Ist die Ehe kinderlos, bleibt die private Krankenversicherung die günstigste Lösung.
  • Bis zu zwei Kindern ist der Abschluss einer privaten Krankenversicherung vertretbar.
  • Bei drei oder mehr Kindern ist es sinnvoll, sich gesetzlich zu versichern.

Fall 3: Ein Ehepartner ist "Hauptverdiener", der andere ist aber auch berufstätig
Ein Partner erzielt Einkünfte über, der andere unter der Beitragsbemessungsgrenze. Damit ist ein Ehepartner in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Hier lautet das Ergebnis: Wer nur auf die Höhe der Beiträge achtet, kann sich mit bis zu zwei Kindern günstiger privat versichern. Berücksichtigt man die Leistungsunterschiede, so fährt man bis zum vierten Kind mit der privaten besser. Genaue Prüfung und kompetente Beratung ist auch bei dieser Fallvariante unerlässlich.

Fall 3: Beide Ehepartner erzielen Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze
Wir sprechen jetzt über Beiträge in Höhe von über 900 Euro, die beide Partner in die gesetzliche Krankenversicherung zusammen zu zahlen hätten. Wer wieder nur ans Geld denkt, fährt bis zum 3. Kind mit der privaten besser. Wenn man den Leistungsunterschied in die Überlegungen einbezieht, so wird die gesetzliche erst ab dem 7. Kind günstiger.

Grenzgänger
Wer gesetzlich krankenversichert ist, über der Beitragsbemessungsgrenze verdient und bereits eine Zusatzversicherung abgeschlossen hat, sollte in jedem Fall über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nachdenken. Er fährt dann wahrscheinlich besser.

Beamte
Beamte erhalten vom Staat eine Beihilfe zu den Krankheitskosten. Nach Vorschriften des Bundes und der Länder deckt sie für den Berechtigten 50 Prozent der Aufwendungen, Ehegatten und Kinder erhalten noch mehr. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung können die Privaten auf diesen Umstand genau abgestimmte, kostengünstige Verträge bieten. Beamte sind deshalb in aller Regel privat versichert.

Wichtig im Alter
Wer privat versichert ist, wird wahrscheinlich im Alter einen höheren Beitrag zahlen, als die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse. Man sollte deshalb in der Phase der Berufstätigkeit soviel gespart haben, dass man sich die höheren Beiträge im Alter leisten kann. Immerhin: Innerhalb des Systems der privaten Krankenversicherungen bleibt immer die Möglichkeit, in einen abgespeckten Basistarif zu wechseln.

Schwieriger Vergleich
Dieser Vergleich von zwei sehr unterschiedlichen Systemen der Krankenversicherung kann nur grobe Leitlinien bieten. Jeder Einzelfall sollte genau durchdacht werden. Nicht ein einfacher Tarifvergleich, sondern das Nachdenken über die individuellen Lebensperspektiven hilft hier weiter.

 

Hier finden Sie Hinweise zu Kosten und Leistungsumfang in der privaten Krankenversicherung anhand von Tarifbeispielen: