Zusatzbeitrag im nächsten Jahr ohne Sozialausgleich

Zusatzbeitrag wird einkommensunabhängig als Kopfpauschale erhoben

Krankenkassen können Zusatzbeiträge in Zukunft in beliebiger Höhe von ihren Mitgliedern verlangen. Bisher konnte der Zusatzbeitrag entweder als Pauschale oder einkommensabhängig erhoben werden. Ab nächstem Jahr ist der Zusatzbeitrag nur noch als fester einkommensunabhängiger Euro-Betrag zulässig. Dadurch können noch stärker als bisher soziale Härten entstehen.

Um finanzielle Überforderungen der betroffenen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen zu vermeiden, findet deshalb ein „Sozialausgleich" statt. Dabei liegt die Überforderungsgrenze bei 2 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen des Versicherten. Übersteigt der „durchschnittliche Zusatzbeitrag" die Überforderungsgrenze, hat der Betroffene Anspruch auf einen Sozialausgleich. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der tatsächlich Zusatzbeitrag einer Krankenkasse ist. Der Anspruch auf Sozialausgleich besteht sogar, wenn die eigene Krankenkasse gar keinen Zusatzbeitrag erhebt.

Beispiel für die Berechnung des Sozialausgleichs beim Zusatzbeitrag
Monatliches Gehalt900,00 Euro
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag20,00 Euro
Belastungsgrenze von 2 Prozent18,00 Euro
Sozialausgleich2,00 Euro
Beitragsberechnung 
Arbeitnehmeranteil (900 Euro x 8,2 % - 2 Euro)71,80 Euro
Arbeitgeberanteil (900 Euro x 7,3 Prozent)65,70 Euro

 

Der tatsächliche Zusatzbeitrag einer Krankenkasse, wird beim Sozialausgleich nicht berücksichtigt. Übersteigt der Zusatzbeitrag einer Krankenkasse den durchschnittliche Zusatzbeitrag, wird dennoch nur der durchschnittliche Zusatzbeitrag ausgeglichen.

Der Sozialausgleich erfolgt direkt über den Arbeitgeber, der prüft, ob der Versicherte durch den durchschnittlichen Zusatzbeitrag überfordert wird. Ein gesonderter Antrag des Versicherten auf Sozialausgleich ist nicht notwendig. Wird eine Überforderung festgestellt, reduziert der Arbeitgeber automatisch den Betrag, den er für die Krankenversicherung vom Gehalt einbehält. Für Versicherte die vom Sozialausgleich profitieren, ergibt sich also ein höherer Nettobetrag beim Lohn.

Für freiwillig Versicherte, die ihren Krankenkassenbeitrag selbst zahlen, wird der Sozialausgleich von der Krankenkasse durchgeführt. Auch freiwillig Versicherte müssen keinen Antrag auf Sozialausgleich stellen, da den Krankenkassen die jeweilige Einkommenssituation von freiwillig versicherten bekannt ist.

Bezieher von Arbeitslosengeld-I haben Anspruch auf einen Sozialausgleich. Als Berechnungsgrundlage für den Sozialausgleich wird 67 Prozent des Gehalts angenommen, das der Leistung der Bundesagentur für Arbeit zugrunde liegt. Keinen Anspruch auf Sozialausgleich haben Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen deren Beiträge von Dritten getragen werden. Für ALG-II-Bezieher gibt es also keinen Sozialausgleich. Ist der individuelle Zusatzbeitrag einer Krankenkasse höher als der durchschnittliche Zusatzbeitrag, kann die Krankenkasse in ihrer Satzung aber festlegen, dass das Mitglied die Differenz selbst zahlen muss.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) legt den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für jedes Jahr neu fest. Er wird von einem Schätzkreis vorgeschlagen und basiert auf der Deckungslücke zwischen den erwarteten Ausgaben aller Krankenkassen und den Zuweisungen, die die Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds erhalten. Für 2011 geht das Bundesgesundheitsministerium (BMG) von einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von null aus. Es wird also kein Sozialausgleich stattfinden. Bis 2014 könnte er laut BMG auf 16 Euro steigen.