Chikungunya in Italien und Frankreich - Wie gefährlich ist das? Von Annett Stein, dpa

Heftige Gelenkschmerzen, die über Wochen anhalten können: Chikungunya
kann sehr unangenehm sein. Was bedeuten die Ausbrüche in Italien und
Frankreich?

Berlin (dpa) - In Italien wächst die Fallzahl, auch in Frankreich
gibt es mehrere Ausbrüche: Das Chikungunya-Virus breitet sich in bei
Touristen beliebten Regionen Europas aus.

In Italien verzeichnen die Behörden in diesem Jahr bereits 364 Fälle,
wie aus Daten des nationalen Gesundheitsinstituts ISS hervorgeht
(Datenstand 30. September). Ein Großteil wurde in den bei Touristen
beliebten Regionen Emilia-Romagna und Venetien im Norden Italiens
gemeldet. Meist handelt es sich den ISS-Daten zufolge um lokale
Ansteckungen (323), also Infektionen, die nicht auf Auslandsreisen
zurückzuführen sind. 

In Frankreich wurden bereits mehr als 600 lokal übertragene
Chikungunya-Fälle erfasst (Datenstand 29. September). Betroffen sind
unter anderem Südfrankreich, Korsika, Burgund, der Großraum Paris und
die Grenzregion zu Deutschland.

Wie gefährlich ist das?

Chikungunya ist meist nicht tödlich, aber sehr unangenehm. Typische
Symptome sind plötzlich einsetzendes Fieber, starke Gelenkschmerzen
vor allem an Händen und Füßen, Kopfschmerzen, Hautausschlag und
Erschöpfung. Bei Säuglingen, älteren Menschen und Personen mit
geschwächtem Immunsystem kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen
kommen. Todesfälle sind selten. Die Gelenkschmerzen können Wochen bis
Monate anhalten. 

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Menschen ab zwölf Jahren, die
in ein Gebiet mit aktuellem Ausbruchsgeschehen reisen, eine Impfung
mit einem der beiden verfügbaren Impfstoffe.

Was ist das für eine Krankheit?

Chikungunya ist eine tropische Virusinfektion, die durch
Aedes-Stechmücken - vor allem Aedes albopictus (Asiatische
Tigermücke) und Aedes aegypti (Gelbfiebermücke) - übertragen wird.
Der Name bedeutet «Der gekrümmt Gehende». Die Krankheit ist besonders

in zahlreichen afrikanischen Ländern, im Süden und Südosten Asiens
sowie seit einigen Jahren auch in Mittel- und Südamerika verbreitet.
Allein in Brasilien wurden in den vergangenen Monaten Zehntausende
Chikungunya-Fälle erfasst.

Und was ist mit Europa?

Mit der globalen Erwärmung und der Ausbreitung der Asiatischen
Tigermücke gibt es auch in Europa ein zunehmendes Risiko für lokale
Übertragungen. Bereits 2007 und 2017 kam es in Italien zu größeren
lokalen Ausbrüchen, nun ist das erneut der Fall. Auch in Frankreich
und Spanien wurden in den letzten Jahren immer wieder lokale
Übertragungen - sogenannte autochthone Fälle - erfasst.

Die das Virus übertragende Tigermücke ist mittlerweile in vielen
Teilen Südeuropas heimisch geworden. Auch hierzulande wurde sie
bereits in mehreren Regionen nachgewiesen, betroffen sind unter
anderem Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und
Thüringen. Die Mücken legen ihre Eier gern in kleinen
Wasseransammlungen ab, etwa in Blumentöpfen, Vogeltränken und alten
Autoreifen.

Chikungunya-Epidemien wie in den Tropen sind dem Robert Koch-Institut
(RKI) zufolge hierzulande derzeit aber noch unwahrscheinlich. Bisher
wurde demnach in Deutschland noch keine lokale Ansteckung erfasst.

Gibt es viele importierte Fälle?

In diesem Jahr definitiv. Dem RKI zufolge kamen vergleichsweise viele
infizierte Reisende aus Ländern mit großen Chikungunya-Ausbrüchen
zurück, vor allem aus Mauritius und dem französischen Überseegebiet
La Réunion. Dem Epidemiologischen Bulletin 40/2025 des RKI zufolge
wurden in diesem Jahr 128 Nachweise erfasst (Datenstand 28.9.) - im
Jahr davor waren es in diesem Zeitraum lediglich 32. 

Wie kommt es zu lokalen Übertragungen?

Lokale Übertragungen in Europa gehen im Ursprung darauf zurück, dass
ein zurückkehrender Reisender das Virus im Blut hat. Wird er bald
darauf - das Virus bleibt meist nur wenige Tage im Blut - von einer
Tigermücke gestochen, hat der Erreger einen weiteren Schritt
geschafft. Die Mücke muss dann aber noch lange genug leben, um Wochen
später für eine erneute Blutmahlzeit weitere Menschen zu stechen und
das Virus so weiterzugeben, wie es beim RKI heißt. Nach einer
überstandenen Chikungunya-Infektion besteht in der Regel eine
lebenslange Immunität gegen das Virus.

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