Migräne und Wechseljahre - das kann eine ungute Kombi sein Von Isabell Scheuplein, dpa
Hormonschwankungen können Kopfschmerz-Attacken auslösen. Der Beginn
der Wechseljahre kann daher für Migräne-Patientinnen besonders
schwierig sein. Doch es gibt Hoffnung.
Frankfurt/Main (dpa) - Starke Kopfschmerzen, Orientierungsverlust,
Übelkeit und Erbrechen - Kristina F. wird seit 30 Jahren immer wieder
von Migräneattacken geplagt. Vor zwei Jahren kamen die Anfälle
plötzlich sehr viel häufiger. «An mehreren Tagen im Monat war es so
schlimm, dass eigentlich gar nichts mehr ging», sagt die 51-Jährige.
Dass dies mit den Wechseljahren zusammenhing, darauf habe sie mit
viel Recherche selbst kommen müssen. «Das hat mir kein Arzt erklärt
»,
sagt sie.
Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Etwa 20
Prozent der Frauen seien betroffen, erklärt Christian Maihöfner,
Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Fürth und Experte der
Deutschen Gesellschaft für Neurologie, zum Deutschen Kopfschmerztag
am 5. September.
Für etwa jede Zweite von ihnen bedeute die Zeit vor der letzten
Regelblutung, die sogenannte Perimenopause, dass ihre Krankheit
schlimmer wird. Bei rund 40 Prozent bessere sich die Migräne während
der Wechseljahre, bei rund 10 Prozent gebe es keine Änderungen.
Wenn der Östrogen-Spiegel sinkt
Die Ursachen seien noch nicht abschließend erforscht. Als gesichert
gilt, dass hormonelle Faktoren bei Migräne eine Rolle spielen. Frauen
sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Besonders die
Östrogene sind von Bedeutung - und ihr Spiegel sinkt in der
Perimenopause.
Eine verbreitete Erklärung lautet dem Professor zufolge, dass dies
einen verminderten Serotoninspiegel nach sich zieht und damit eines
zentralen Neurotransmitters in der körpereigenen Schmerzhemmung. Auch
die Bildung des Botenstoffs Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP),
der bei Migräne eine Schlüsselrolle spielt, scheine durch hormonelle
Einflüsse gesteuert zu werden.
Was kann man Betroffenen raten? «Eine Hormonersatztherapie zur
Anhebung des Östrogenspiegels kann die Migräne zwar lindern, muss
jedoch sorgfältig abgewogen werden, da sie auch Risiken birgt, etwa
ein erhöhtes Brustkrebsrisiko», sagt Maihöfner. Er verweist auf
zahlreiche andere Behandlungsansätze.
Entspannungsverfahren und Ausdauersport
Dazu zählen Entspannungsverfahren wie die Progressive
Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder
achtsamkeitsbasierte Programme wie MBSR. «Auch regelmäßiger
Ausdauersport - beispielsweise dreimal wöchentlich Joggen - wirkt
nachweislich günstig», sagt der Experte.
Da sich in dem Alter bei Frauen oft Belastungen häuften, sei
Stressmanagement wichtig. «Viele meiner Patientinnen sind
erfolgreiche und sehr belastbare Frauen. Aber jeder Mensch hat nur
begrenzte Ressourcen», sagt Maihöfner.
Häufige Migräneanfälle wirkten sich auf das soziale Leben und den
Arbeitsplatz aus. Nur Schmerztabletten zu nutzen, reiche nicht aus.
«Das autonome Nervensystem ist aus dem Gleichgewicht geraten - durch
Methoden wie Meditation oder gezielte Entspannungsverfahren lässt es
sich wieder beruhigen und stabilisieren.» Migräne sei nicht
vollständig heilbar, doch in den meisten Fällen könne sie mit der
richtigen Behandlung spürbar gebessert werden.
Körper passt sich an Hormonänderung an
Es muss auch nicht bei der Verschlimmerung der Schmerzanfälle
bleiben: «Der Körper passt sich mit der Zeit an niedrigere
Östrogenspiegel an - nicht selten bessern sich die Migräneattacken
dadurch wieder, auch wenn hierzu bislang keine belastbaren Zahlen
vorliegen.»
Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am
Universitätsklinikum Dresden, bestätigt das. Bei etwa 20 bis 30
Prozent der Patientinnen bleibe die Migräne jedoch bis ins hohe Alter
erhalten, sagt die Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und
Kopfschmerzgesellschaft.
Bei der Therapie müsse die Situation jeder Patientin betrachtet
werden, auch etwaige Begleiterkrankungen. «Man muss fragen, ob
regelmäßig Pausen eingebaut werden, eine Entspannungstechnik helfen
könnte und ausreichend Sport gemacht wird.» Migräne-Patientinnen
brauchten Stabilität, auch in ihrem Alltagsablauf, sagt die
Professorin.
Erster Anlaufpunkt Hausarzt
Migräne sei auch mit Medikamenten behandelbar, so Goßrau. «Es gibt
neue und spezifische Therapien, die sehr gut helfen. Sowohl bei der
Prophylaxe als auch im akuten Fall. Hier kann und sollte man sich
Hilfe holen, erster Anlaufpunkt ist dabei der Hausarzt.»
Migräne-Patientin Kristina F. aus Frankfurt am Main probiert gerade
Magnesium als Prophylaxe aus und testet, ob die Vermeidung einzelner
Nahrungsmittel hilft. Viel Wasser trinken, Bewegung, regelmäßiger
Schlaf seien wichtig, ist ihre Erfahrung. «Auch wenn das im Alltag
nicht immer alles funktioniert.»
«Migräne und Wechseljahre, da hatte ich das Gefühl, bei diesen Themen
stehe ich alleine da», sagt sie. «Es braucht einfach mehr ärztliche
Fachkenntnis, besonders beim Thema Wechseljahre.»
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