«Monster von Amstetten»: Josef Fritzl bleibt in Haft Von Matthias Röder, dpa

Er hat 24 Jahre lang seine Tochter im Keller eingesperrt und
tausendfach vergewaltigt. Nach 15 Jahren Haft entschieden Richter nun
darüber, ob Josef Fritzl unter Auflagen frei kommt.

Krems (dpa) - Der als «Monster von Amstetten» bekannt gewordene Josef
Fritzl bleibt in Haft. Ein Senat aus drei Richtern am Landgericht
Krems in Österreich entschied am Donnerstag, dass der heute
88-Jährige aus präventiven Gründen nicht vorzeitig entlassen wird,
wie ein Sprecher des Gerichts sagte. Allerdings soll der Häftling vom
Maßnahmenvollzug in den Normalvollzug unter Auflagen verlegt werden.
Dieser Beschluss ist laut Gerichtssprecher noch nicht rechtskräftig.
Fritzls Anwältin Astrid Wagner sprach in einer ersten Reaktion von
einem «großen Teilerfolg», ihr Mandant sei «sehr gerührt».

Fritzl wurde im März 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die
Anklage im Prozess lautete auf Mord durch Unterlassen,
Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, schwere Nötigung, Sklaverei und
Blutschande - er wurde in allen Punkten schuldig gesprochen. Seitdem
sitzt der gelernte Elektrotechniker in der Haftanstalt Stein bei
Krems im Maßnahmenvollzug und musste sich dort therapieren lassen.
Die neuen Auflagen sehen laut Gerichtssprecher vor, dass Fritzl auch
im Normalvollzug alle drei Monate eine therapeutische Behandlung
nachweisen muss.

Tochter in schalldichten Keller gesperrt

In der österreichischen Kleinstadt Amstetten hatte Fritzl 1984 seine
damals 18-jährige Tochter in den schalldicht ausgekleideten Keller
seines Hauses gesperrt. In den folgenden 24 Jahren vergewaltigte er
sie tausendfach und zeugte sieben Kinder mit ihr. Eines davon starb
bald. Die Ehefrau, die im ersten Stock des Hauses mit dem Rest der
Familie lebte, hatte laut Behörden nichts von alldem mitbekommen. Der
Fall flog 2008 auf und machte weltweit Schlagzeilen. Fritzl hat im
Gefängnis einen neuen Nachnamen angenommen.

Anlass für die Anhörung von Fritzl war ein neues Gutachten der
Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner, das ihm Ungefährlichkeit
bescheinigte. Laut seiner Anwältin leidet der Häftling an Demenz.
Fritzl hat inzwischen 15 Jahre in Haft verbracht, eine zwingende
Voraussetzung für eine etwaige vorzeitige Entlassung. In
Gerichtskreisen hatte es zuvor geheißen, dass in Österreich im
Durchschnitt ein zu lebenslanger Haft Verurteilter rund 22 Jahre
hinter Gittern sitzt.

Zum Ablauf der etwa 30-minütigen Anhörung sagte Wagner, dass ihr
Mandant erzählt habe, «wie er bereut, was er getan hat. Also er war
eigentlich den Tränen nahe.» Die Anwältin will weiter um die
vorzeitige Entlassung ihres Mandanten kämpfen, wie sie ankündigte.

Das Verbrechen war am 26. April 2008 aufgeflogen, als eine 19-jährige
Tochter aus dem Keller lebensgefährlich erkrankte und von Fritzl in
eine Klinik gebracht wurde. Ein Arzt wurde misstrauisch und gab der
Polizei den entscheidenden Tipp.

Gutachterin: «Er wollte Macht über eine Frau»

Der handwerklich begabte Mann hatte den Keller seines Hauses in
Amstetten zu einem 60 Quadratmeter großen Gefängnis umgebaut.
Insgesamt acht zum Teil 500 Kilogramm schwere Türen mit Fernbedienung
sicherten den Bereich. «Er wollte Macht über eine Frau und ihre
allzeitige Verfügbarkeit», sagte Kastner, die für den Prozess ein
Gutachten anfertigte, 2023 in einem Interview mit der Deutschen
Presse-Agentur.

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