Wie digitale Angebote beim Gesundwerden helfen Von Sandra Trauner, dpa

Digitale Gesundheitsanwendungen gibt es als App oder im Internet.
Seit sie von den Krankenkassen bezahlt werden können, werden sie
immer beliebter. Überraschend ist, wer solche Angebote nutzt.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Ob Selbsthilfeprogramme im Internet für
Menschen mit Depression oder Apps für stark Übergewichtige: Digitale
Gesundheitsanwendungen boomen auch in Hessen. Das Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte hat zahlreiche Angebot dieser Art
zertifiziert, etwa für Multiple Sklerose oder Brustkrebs, Tinnitus
oder Migräne. Die Krankenkassen in Hessen sehen das überwiegend
positiv und auch Ärzte finden, dass es sich um sinnvolle Ergänzungen
handelt.

Die AOK, Hessens größte Krankenkasse, berichtet von steigender
Nachfrage: Seit es dort «Apps auf Rezept» gibt, gingen mehr als 2400
Anträge ein. Am häufigsten wurde eine App zur Therapie von
Rückenschmerzen nachgefragt.

«Insgesamt sind rund 91 Prozent der Anträge bewilligt und nur 9
Prozent abgelehnt worden», berichtete ein AOK-Sprecher. Abgelehnt
wurden sie etwa dann, wenn eine beantragte App nicht zugelassen war.
«Bislang fielen Kosten in Höhe von rund 680 000 Euro für die
hessische Gesundheitskasse an.»

Möglich sind solche Anwendungen seit Ende 2019. Damals trat das
Digitale-Versorgung-Gesetz in Kraft. Das Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte führt eine Liste, welche Anwendungen
auf Rezept erhältlich sind. Zuletzt standen 45 Anwendungen im
Verzeichnis. Sie kosten zum Teil mehrere Hundert Euro, die die Kasse
übernimmt, wenn ein Arzt sie verschreibt oder die Versicherten eine
entsprechende Diagnose nachweisen können.

Die Nutzer bewerten die digitalen Gesundheitsanwendungen überwiegend
positiv, wie eine bundesweite Online-Befragung unter mehr als 2600
AOK-Versicherten ergab, die eine «App auf Rezept» bekommen hatten. 58
Prozent bewerteten die Nutzung als sinnvolle Ergänzung zu ihrer
Therapie. Als größten Vorteil sahen die Nutzerinnen und Nutzer, dass
sie sich die Behandlung mit einer digitalen Gesundheitsanwendung
zeitlich flexibel einteilen können. 40 Prozent gaben an, dass ihnen
die Anwendung geholfen habe, ihre Erkrankung besser in den Griff zu
bekommen.

Allerdings würden nur 38 Prozent Freunden oder Bekannten mit
vergleichbarer Diagnose die Methode weiterempfehlen. Knapp ein
Fünftel der Befragten hatte Probleme bei der Umsetzung der digitalen
Therapieinhalte, weitere 28 Prozent gaben an, sie hätten teilweise
Probleme gehabt. Für 15 Prozent der Versicherten passten die Inhalte
nicht zu ihrer individuellen Krankheitssituation.

Die Techniker Krankenkasse (TK) findet solche Angebote grundsätzlich
gut. «Digitale Gesundheitsanwendungen helfen Patientinnen und
Patienten, ihre Erkrankungen zu überwachen und zu begleiten», sagt
die Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen, Barbara Voß, betont
aber auch: «Wir sehen aber Optimierungsbedarf.»

Hersteller müssen den Nutzen der Apps mit Studien belegen - aber die
meisten legen laut TK zum Start keine Beweise vor. Sie dürfen das
Angebot dann «zur Erprobung» anbieten, müssen dann aber innerhalb
eines Jahres den Nutzen nachweisen. Bei vielen gelinge das nicht, so
dass Krankenkassen auch schon Kosten für Apps ohne belegten Nutzen
erstatten mussten, wie Voß beklagt.

Die TK hat seit Oktober 2020 bundesweit rund 61 150 Freischaltcodes
an Versicherte ausgegeben. Die Top drei waren Angebote gegen
Rückenschmerzen, Tinnitus und Adipositas. Angesichts der Neuheit des
Themas liege die Nachfrage «im erwartbaren Rahmen», sagte Voß.

Auffällig ist, das weder junge Menschen, die mit der Digitalisierung
vertrauter sind, noch Männer, die in der Regel eine höhere Affinität

zu Technik haben, zu den Hauptnutzern gehören. Eine TK-Auswertung
ergab vielmehr, dass 67 Prozent Frauen waren und die stärkste
Altersgruppe die der 50- bis 60-Jährigen ist. Als Grund vermutet die
TK, dass jüngeren Menschen Apps tendenziell seltener verschrieben
werden, weil sie einfach seltener krank sind.

Auch hessische Ärztinnen und Ärzte finden solche Angebote gut: Sie
könnten Ärzte unter anderem dabei unterstützen, Patienten bei der
Therapie von Krankheiten zu begleiten, einzelne Fragen zu beantworten
oder gegebenenfalls Symptome einzuordnen, sagt eine Sprecherin der
Landesärztekammer. So könnten sie zum Beispiel Mediziner anhand von
Fotos dabei unterstützen, Hautkrankheiten zu erkennen. Apps seien
«eine sinnvolle Ergänzung zu diagnostischen oder therapeutischen
Maßnahmen», dürften aber «keinesfalls den Arztbesuch ersetzen».

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