Dresdner Polizei bereitet sich auf Einsatz wegen Corona-Protest vor

Dresden (dpa/sn) - Die Dresdner Polizei bereitet sich wegen möglicher
Proteste von Corona-Leugnern und Kritikern der Schutzmaßnahmen am
Samstag auf einen größeren Einsatz vor. Seit Tagen werde in
Telegram-Gruppen sachsenweit zu einem «Spaziergang» am Nachmittag in
Dresden aufgerufen, teilte die Polizeidirektion in der
Landeshauptstadt am Freitag mit. In der Gefahrenprognose gehe man von
mehreren Tausend Menschen aus, die dem Aufruf folgen werden.
«Darunter werden auch einige hundert Gewaltbereite und Extremisten
erwartet.»

Die Polizei sehe ihren Einsatzschwerpunkt im Schutz aller genehmigten
Versammlungen, hieß es. Die Stadt Dresden hatte bereits am Donnerstag
alle unangemeldeten Kundgebungen untersagt. Gegenüber offenkundig
Gewaltbereiten und Extremisten gilt laut Polizei «eine niedrige
Einschreitschwelle». Man werde sich darauf konzentrieren, einen
zentralen Aufzug zu verhindern, gegensätzliche Lager zu trennen und
den Sächsischen Landtag zu schützen. Bei dem Einsatz werden Dresdner
Polizei von Kollegen aus Berlin und der Bereitschaftspolizei
unterstützt.

Der Stadt Dresden lagen bis Freitagmittag 98 Versammlungsanzeigen
vor. Alle Demonstrationen, bei denen «Spaziergänge» angemeldet wurden

und die dem Corona-Protest zugeordnet werden konnten, hätten wegen
der polizeilichen Gefahrenprognose keine behördliche Bestätigung
erhalten, teilte die Verwaltung mit. Sie seien demnach verboten.

Auch in Chemnitz wurde für einen «Spaziergang» am Samstagnachmittag
geworben. Die Polizei rechnet mit einigen Hundert Teilnehmern. Der
Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos), dessen Stadt
zu den Hochburgen der Corona-Proteste im Landkreis Meißen zählt,
wandte sich am Freitag mit einem Appell an die Öffentlichkeit. Er
forderte Demonstranten auf, friedlich zu bleiben. Dass es angesichts
der fast zwei Jahre andauernden Pandemie mit all ihren Zumutungen und
Herausforderungen, existenziellen Sorgen und Ängsten unterschiedliche
Ansichten über den richtigen Weg gebe, liege in der Natur der Sache.

«Es wird immer klarer, Corona ist gekommen um zu bleiben - sprich:
Wir werden lernen müssen mit dem Virus zu leben. Umso wichtiger ist
es, dass wir als Stadtgesellschaft dabei möglichst zusammenbleiben.
Wir sollten gemeinsam den besten Weg suchen. Wir müssen dabei
unterschiedliche Meinungen äußern und aushalten können, wir müssen
zu
einem gemeinsamen Weg des Kompromisses finden», schrieb Wendsche.