Omikron-Notfallpläne in Behörden und Kommunen

Omikron ist sehr viel ansteckender als bisherige Varianten des
Coronavirus und trifft auch die Geimpften stark. Was tun, wenn
Feuerwehrleute, Polizisten, Krankenschwestern oder Busfahrer alle
gleichzeitig erkranken?

München/Nürnberg (dpa/lby) - Behörden und Kommunen in Bayern haben
sich flächendeckend mit Omikron-Notfallplänen auf mögliche
Massenerkrankungen in den Belegschaften vorbereitet. Ziel ist es, den
Betrieb auch dann aufrecht erhalten zu können, wenn sich viele
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichzeitig mit der
hochansteckenden Variante des Coronavirus infizieren. Das geht aus
den Antworten des Innenministeriums und der Stadtverwaltungen von
München und Nürnberg hervor.

So praktizieren Polizei, Feuerwehren, Krankenhäuser, Stadtwerke und
andere Einrichtungen derzeit die Umstellung auf feste Schichtmodelle
und weitere Maßnahmen, um potenziell infektiöse Kontakte zu
reduzieren. Wo möglich, wird auf Heimarbeit umgestellt, außerdem wird
möglichst häufig getestet.

Ein Sprecher des Innenministeriums in München zählt die Maßnahmen bei

der bayerischen Polizei auf. Dazu gehört unter anderem «die Bildung
von personengleichen Kohorten im Präsenzdienst» - was bedeutet, dass
möglichst immer die gleichen Beamtinnen und Beamten gemeinsam im
Dienst sind. Demselben Zweck dient die Umstellung von flexiblen auf
starre Schichtmodelle.

Die bayerische Polizei sei voll einsatzfähig, betonte der Sprecher.
«Bisher konnten die coronabedingten Personalausfälle in den eigenen
Reihen durch lageangepasste Maßnahmen kompensiert werden.» Auch im
Fall erheblicher Personalausfälle sei die Einsatz- und
Funktionsfähigkeit sichergestellt.

Nachdem der Expertenrat der Bundesregierung vor Weihnachten wegen
Omikron Alarm geschlagen hatte, haben in den vergangenen Wochen
Behörden und Kommunen bundesweit ihre Notfallpläne mit Blick auf die
erwartete Omikron-Welle aktualisiert. Zur kritischen Infrastruktur
zählen unter anderem Krankenhäuser, Polizei und Feuerwehr, Strom-,
Gas- und Wasserversorgung, Telefon- und Datennetz sowie große
Bahnhöfe.

Die Polizei untersteht direkt dem Innenministerium, die über 7500
bayerischen Feuerwehren hingegen den Gemeinden. «Das aktuell zu
befürchtende Szenario verschärft die Anforderungen an die
Sicherstellung der Einsatzbereitschaft nochmals erheblich», sagte der
Ministeriumssprecher.

«Die Kommunen wurden aufgefordert, weitergehende Vorbereitungen zur
Verhinderung eines Coronaeintrags in die Feuerwehren zu treffen.»
Feste Schichten und eine Reduzierung der Kontakte gehören ebenso wie
bei der Polizei zu den Vorbeugungsmaßnahmen. Außerdem sollen die
Feuerwehren derzeit auf Übungen und andere Tätigkeiten verzichten,
die nicht zwingend zum Erhalt der Einsatzbereitschaft erforderlich
sind.

Die Kommunen ordnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in nicht
essenziellen Bereichen in andere Abteilungen und Behörden ab, wo sie
nötiger gebraucht werden. Praktiziert wird dieses Modell ohnehin seit
Langem in den Gesundheitsämtern. «In den Plänen legt jede
Dienststelle fest, welche Dienstleistungen in jedem Fall aufrecht
erhalten werden müssen und wie viel Manpower dafür jeweils
erforderlich ist», sagt ein Sprecher des Münchner Rathauses. Eine
«Taskforce Personaleinsatzmanagement» koordiniert in der
Landeshauptstadt den coronabedingten Personalbedarf. Die
Stadtverwaltung hat außerdem auch die
kommunalen Gesellschaften von den Stadtwerken bis zur Messe
angewiesen, ihre Pandemiepläne an Omikron anzupassen.

Ein Sprecher der Nürnberger Stadtverwaltung erläutert: «Speziell fü
r
die aktuelle Bedrohung durch die Omikron-Variante wird im Bedarfsfall
durch die Stadtspitze ein Krisenstab Personal zur Koordination
einberufen.» So fragt das Nürnberger Rathaus derzeit beim städtischen

Personal Ausbildungen, Erfahrungen und Fähigkeiten ab, «um im Notfall
Personalengpässe auch dienststellenübergreifend zumindest
aushilfsweise auffangen zu können», wie der Sprecher erläutert.

«Diese Kräfte sollen nach Möglichkeit aus Bereichen kommen, die im
Falle einer starken Ausbreitung von Omikron geschlossen oder
zumindest personell reduziert werden können.» Zu letzteren zählen
etwa Kultureinrichtungen und Schwimmbäder.