Kaderali: Anstieg der Inzidenzen in der zweiten Januarwoche

Zuletzt war die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen im
Nordosten zurückgegangen. Das Bild könnte täuschen. Laut dem
Bioinformatiker Lars Kaderali werden die Zahlen bald wieder steigen.

Greifswald (dpa/mv) - Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali
erwartet ab der zweiten Januarwoche einen deutlichen Anstieg der
gemeldeten Corona-Infektionen. Nach Silvester werde es wahrscheinlich
Meldeverzüge geben. «Eine Woche später ungefähr wird man dann
plötzlich die Zahlen steigen sehen», sagte er der Deutschen
Presse-Agentur. Grund sei die Ausbreitung der ansteckenderen
Omikron-Variante des Coronavirus.

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen je 100 000
Einwohner war laut Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) im
Nordosten schon vor den Weihnachtsfeiertagen und auch danach
gesunken. Allerdings wurden nach Angaben des Lagus in der 51.
Kalenderwoche - also vor und während Weihnachten - deutlich weniger
PCR-Tests als in der Vorwoche registriert, während der Anteil der
positiven Tests weitgehend stabil blieb.

Angesichts der sich aufbauenden Omikron-Welle sei es fatal, dass man
derzeit ein Stück weit im «Blindflug» sei, sagte Kaderali, der auch
dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung angehört. Die Modellierung
sei schwierig. Er sagte, «dass man wirklich ein sehr, sehr
optimistisches Szenario einstellen muss, um nicht in eine Situation
zu kommen, wo wir eine hohe Krankenhausauslastung bekommen.» Das
liege auch daran, dass die Intensivstationen jetzt schon wirklich
voll seien. «Die Luft nach oben sozusagen, die ist wirklich dünn.»

Er glaube, dass die Hospitalisierung bei Omikron tatsächlich geringer
ausfalle. «Aber das ist nur einschränkend beruhigend, eben weil die
Krankenhäuser schon voll sind, und weil wir es mit einem Virus zu tun
haben, das eben enorm infektiös ist und dadurch einfach sehr, sehr
viele Leute ansteckt.» Dadurch werde binnen Tagen der vermeintliche
Vorteil wieder ausgeglichen, weil durch die Masse an Infektionen
wieder viele Menschen im Krankenhaus landen.

«Wir brauchen, wenn wir das eindämmen wollen, wahrscheinlich noch
mehr», sagte Kaderali mit Blick auf die bisherigen politischen
Maßnahmen. «Die Frage ist schlicht und einfach, wie viel mehr.» Er
habe schon den Eindruck, dass nach der Stellungnahme des
Expertenrates zu Omikron «die Politik etwas aufgewacht ist».

Die Arbeit des interdisziplinären Gremiums beschrieb Kaderali als
sehr gut und nüchtern. «Man muss sich das auch anders vorstellen als
so eine Stammtischdiskussion. Das ist immer sehr faktenbasiert.» Viel
Arbeit bestehe darin, Studien und Daten aus anderen Ländern zu
sichten und diese einzuordnen. «Das ist kein Meinungsaustausch.»

Der Corona-Expertenrat zur Beratung der Bundesregierung hatte Mitte
Dezember seine Arbeit aufgenommen. Die Zusammensetzung ist
breitgefächert und deckt etwa die Virologie, die Kinder- und
Jugendmedizin, die Medizinethik, Intensivmedizin oder
Bildungsforschung ab. Aus Mecklenburg-Vorpommern ist auch der Landrat
von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), mit dabei.