Faktencheck: Beeinflusst die Covid-Impfung den weiblichen Zyklus? Von Sandra Trauner, dpa

23.09.2021 07:22

«Seit der Corona-Impfung ist mein Zyklus total durcheinander» - das
liest und hört man häufiger in den letzten Monaten. Wissenschaftliche
Belege für einen Zusammenhang zwischen Impfung und Zyklusstörungen
gibt es nicht. Die Datenerfassung lässt allerdings zu wünschen übrig.


Langen/Brüssel/Berlin (dpa) - Einige Frauen berichten über stärkere,

schwächere oder eine unregelmäßige Menstruation sowie
Zwischenblutungen nach der Covid-Impfung. Gibt es einen ursächlichen
Zusammenhang?

Behauptung: Die Corona-Impfung beeinflusst den weiblichen Zyklus.

Bewertung: Ein Zusammenhang zwischen Impfung und Zyklusstörung ist
nicht ausgeschlossen, aber auch nicht belegt. Experten halten das
angesichts der generellen Störanfälligkeit des Zyklus für eher
unwahrscheinlich.

Fakten: Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist für die Sicherheit von
Impfstoffen zuständig, die Behörde sammelt Berichte über unerwünsch
te
Nebenwirkungen. Bis Ende Juni wurden dem Institut 310
Einzelfallmeldungen mit 368 «unerwünschten Ereignissen» von
Zyklusstörungen berichtet, wie aus einem Sicherheitsbericht der
Behörde hervorgeht. 34 davon - also knapp zehn Prozent - wurden als
schwerwiegend bezeichnet.

Die Frauen berichteten von einem «breiten Spektrum zum Teil auch
wenig spezifischer Beschwerden», heißt es in dem Bericht. Dazu
gehören Zwischenblutungen, eine verstärkte oder ausbleibende
Menstruation und andere Zyklus-Unregelmäßigkeiten.

Das PEI bewertet das so: «Unter Berücksichtigung der Anzahl geimpfter

Frauen in den relevanten Altersgruppen und der Häufigkeit von
Zyklusstörungen erscheint die Zahl der Meldungen nicht ungewöhnlich
hoch zu sein.» Allerdings sei davon auszugehen, dass viele -
insbesondere vorübergehende - Zyklusstörungen nicht berichtet würden.


Auch der für die Bewertung von Risiken zuständige Ausschuss bei der
Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sieht nach bisherigem
Kenntnisstand «keinen kausalen Zusammenhang zwischen
Covid-19-Impfstoffen und Zyklusstörungen», heißt es in einem Bericht

des Pharmacovigilance Risk Assessment Committee
(PRAC). Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation seien sehr
verbreitet. «Die Gründe können von Stress über Müdigkeit bis zu
medizinischen Ursachen reichen, etwa Fibrose oder Endometriose.»

«Dass Frauen nach irgendeiner Impfung eine dauerhafte Veränderung
ihres Menstruationszyklus erleben würden, also über mehrere Monate
deutlich verstärkte, verlängerte Blutungen und kontinuierlich
verlängerte oder verkürzte Zykluslängen, ein solches Phänomen ist
unbekannt», sagt auch Christian Albring (Hannover), Präsident des
Berufsverbandes der Frauenärzte.

Tatsächlich gebe es keine Studie, die den Einfluss einer Impfung auf
Zyklus abgefragt hätte, sagt Albring. «Es ist sinnvoll, ab einem
bestimmten Entwicklungsstadium von Impfstoffen auch weibliche
Probanden mit einzubeziehen und eine solche Abfrage künftig mit
aufzunehmen.» Einfach sei das nicht, weil etwa auch berücksichtigt
werden müsse, in welcher Zyklus-Phase eine Frau zum Zeitpunkt der
Impfung gerade sei.

Vor Corona sei nie über Zyklusstörungen nach Impfungen berichtet
worden «und auch aktuell handelt es sich zunächst einmal um viele
Einzelmeldungen, die noch dazu teilweise entgegengesetzt sind», sagt
der Gynäkologe. Der Eisprung und der Zyklus seien sehr störanfällig:

«Diäten, Stress, Reisen, Infektionskrankheiten, Aufregung, starke
körperliche Anstrengung oder ein sportlicher Wettkampf, das alles
kann den Eisprung und damit den Zeitpunkt der Menstruation
beeinflussen.»