Tiefensee empfiehlt Veranstaltern «3G-Plus-Modell»

21.09.2021 16:43

Lange hat die Landesregierung über die Einführung eines 2G-Modells
diskutiert. Nun legt Rot-Rot-Grün ein komplexes System vor, das
Veranstaltern aber Planungssicherheit geben soll - und Gästen mehr
Freiheiten.

Erfurt (dpa/th) - Zugangsbeschränkungen, aber dafür Erleichterungen
beim Infektionsschutz: Die rot-rot-grüne Landesregierung will mit
einem 2G- und einem sogenannten 3G-Plus-Modell der
Veranstaltungsbranche eine Perspektive in der Pandemie für den Herbst
und Winter geben. Die neuen Pläne sehen vor, dass Veranstalter und
Betreiber von Messen, Jahrmärkten, Diskotheken oder Tanzclubs künftig
zwischen zwei Modellen wählen können, wie sie den Zutritt zu ihren
Veranstaltungen beschränken. Darauf verständigte sich das Kabinett am
Dienstag in Erfurt. Die Pläne müssen noch im Landtag beraten werden,
dadurch können sich auch noch Änderungen ergeben.

Beim 2G-Modell sollen nur geimpfte oder von Covid-19 genesene
Menschen ohne Symptome Zutritt haben, wie Gesundheitsministerin Heike
Werner (Linke) nach der Kabinettssitzung erläuterte. Beim
3G-Plus-Modell können zudem auch Ungeimpfte in den Club oder zur
Messe, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten PCR-Test vorzeigen
können oder einen speziellen PCR-ähnlichen Alternativtest, der
höchstens 24 Stunden alt sein darf. Ein oft verwendeter
Antigen-Schnelltest reicht dafür aber nicht.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, die
Veranstaltungsbranche mit ihren 277 Unternehmen in Thüringen sei von
den Corona-Maßnahmen «ganz besonders betroffen». Zudem gebe es 2700
Unternehmen, die indirekt von dieser Branche lebten. «Ich plädiere
eindeutig für die 3G-Plus-Regel», sagte Tiefensee. Zugleich betonte
er, dass man vom Bund einheitliche Regeln erwarte.

Eine Umsetzung der für Thüringen geplanten neuen Regeln ist für
Anfang Oktober angepeilt. Was sie bedeuten und welche Ausnahmen es
gibt:

Abstand und Maskenpflicht

Die neuen Modelle für eine Zugangsbeschränkung zu Veranstaltungen
erlauben den Clubbetreibern oder Messeveranstaltern, auf einige
Infektionsschutzregeln zu verzichten. «Insbesondere geht es um Fragen
des Mindestabstandes und des Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung»,
sagte Werner.

Kapazitätsbeschränkung

Veranstalter, die sich für das 3G-Modell entscheiden, sollen den
Plänen zufolge in geschlossenen Räumen nur noch 75 Prozent der
maximalen Gästezahl einlassen dürfen. Grund: Von Menschen, die nur
getestet sind, kann laut Werner ein höheres Ansteckungsrisiko
ausgehen.

Ausnahmen

Bereits jetzt sehen die Pläne Ausnahmen vor - etwa für Kinder bis zur
Vollendung des sechsten Lebensjahres und die noch nicht zur Schule
gehen. Diese brauchen gar keine Tests.

Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres
brauchen nur einen tagesaktuellen Antigen-Schnelltest oder eine
Bescheinigung, dass sie an ihrer Schule regelmäßig getestet werden.
Ebenfalls ein Antigen-Schnelltest ist für Menschen ausreichend, die
sich aus medizinischen Gründen bisher nicht impfen lassen konnten
oder für deren Personengruppe eine Impf-Empfehlung der Ständigen
Impfkommission erst seit Kurzem vorliegt, wie Werner sagte.

Beschäftige in der Veranstaltungsbranche

Sowohl beim 2G-Modell als auch beim 3G-Plus-Modell sollen sich
Beschäftigte, die engen Kontakt mit den Gästen haben, oder sich im
gleichen Raum befinden, an die gleichen Regeln halten müssen. Beim
3G-Plus-Modell müsste das Unternehmen die PCR-Tests oder die
Alternativtests für jene Beschäftigten zur Verfügung stellen, die
weder geimpft noch genesen sind - das wolle man so festschreiben, wie
die Gesundheitsministerin ankündigte.

Kontrolle

Die Betreiber und Veranstalter müssten sich aktiv darum kümmern, dass
Impfbescheinigungen oder Testergebnisse vorgelegt werden. «Es muss
auch überprüft werden, dass die entsprechende Identität richtig ist
»,
sagte Werner. Tiefensee sagte, dass Zugangskontrollen über Apps
möglich seien.

Geltung

Dem Wirtschaftsminister war besonders wichtig, zu betonen, dass die
neuen Regeln losgelöst vom derzeitigen Warnsystem gelten sollen.
Bedeutet: Egal, wie hoch die Inzidenz oder die Belegegung von
Intensivbetten ist, sollen Veranstaltungen mit dem 2G- oder
3G-Plus-Modell möglich sein. «Die Veranstaltungen im März oder April

können entsprechend geplant werden», sagte Tiefensee. Diese
Planungssicherheit sei für die Veranstalter wichtig gewesen.