3G-Regel und Nachteile für Ungeimpfte auf Österreichs Skipisten

20.09.2021 15:33

Urlaub im Schnee ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Alpenland. Im
vorigen Winter musste ein Totalausfall verbucht werden. Nun soll ein
Stufenplan die nächste Saison retten.

Wien (dpa) - In Österreich gilt in der kommenden Wintersportsaison
auf den Skipisten die sogenannte 3G-Regel. Seilbahnbetreiber dürfen
nur gegen Covid-19 Geimpfte, Getestete oder Genesene befördern, wie
die Regierung am Montag in Wien bekanntgab. Abstandsregeln und
Kapazitätsbeschränkungen wird es für die Skilifte nicht geben, eine
FFP2-Maskenpflicht jedoch schon. Sollte die Auslastung der
Intensivstationen mit Corona-Kranken steigen, werden die Regeln für
ungeimpfte Wintersportler verschärft. «Ich bin überzeugt, dass mit
diesen Rahmenbedingungen eine unbeschwerte, sichere Wintersaison in
unserem Land möglich sein wird», sagte Tourismusministerin Elisabeth
Köstinger bei einer Pressekonferenz in Wien.

Derzeit sind rund 200 Intensivbetten in Österreich mit
Covid-19-Patienten belegt. Wenn die Zahl auf 300 steigt, dürfen
Ungeimpfte keine Après-Ski-Lokale mehr besuchen - auch nicht mit
negativem Testergebnis, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein.
Ab dieser Stufe dürfen Seilbahnen, Gastronomie und Hotels außerdem
keine Selbsttests mehr akzeptieren. Ab einer Intensivauslastung von
400 Betten müssen Ungeimpfte negative PCR-Tests vorweisen. Die
weniger genauen Antigentests reichen dann nicht mehr aus. Falls sich
die Lage noch mehr zuspitzt, stellte die Regierung die Ausweitung der
2G-Regel - Geimpft oder Genesen - auf weitere Bereiche in den Raum.

Wie an den Seilbahnen die 3G-Regel ohne langes Anstellen kontrolliert
werden soll, war vorerst noch unklar. An einer Lösung werde noch
gearbeitet, hieß es vom Tourismusministerium. So könnte zum Beispiel
der Online-Verkauf von Liftkarten an eine automatisierte Kontrolle
des Corona-Status gekoppelt werden.

Der Nachweis gleich bei der Buchung ist auch im deutschen Skigebiet
Feldberg im Schwarzwald geplant. Allerdings wollen die Liftbetreiber
dort die 2G-Regel umsetzen. Für schulpflichtige Kinder reicht ein
negativer Test oder der Schülerausweis, wie eine Sprecherin des
Liftverbunds am Montag sagte.

Ziel sei es, «dass Österreich nicht wieder mit Reisewarnungen belegt
wird», sagte Köstinger. Skitourismus ist in Österreich ein wichtiger

Wirtschaftszweig. Mehr als die Hälfte aller Winterurlaube in Europa
finden laut Köstingers Ministerium in Österreich statt. Dabei spielen
Gäste aus Deutschland eine wichtige Rolle: Vor der Pandemie entfielen
in der Wintersaison 2018/19 fast 37 Prozent der Übernachtungen auf
Deutsche. Die Saison 2020/21 war laut Köstinger ein «Totalausfall».


Österreich will sein Image als sicheres Reiseland aufpolieren,
nachdem der Corona-Ausbruch rund um den Tiroler Ski- und Partyort
Ischgl 2020 für Ansteckungen quer durch Europa sorgte. Österreichs
oberster Ärztevertreter, Thomas Szekeres, kritisierte jedoch am
Montag, dass sich die Regierung wegen der niedrigen Durchimpfungsrate
von 60 Prozent nicht nur mit dem Tourismus, sondern auch mit der
Immunisierung beschäftigen müsse, um die Pandemie zu besiegen. «Übe
r
Après-Corona reden statt über Après-Ski», forderte er.