Brandenburgs Hochschulen wollen das Campusleben reaktivieren Von Christian Bark, dpa

18.09.2021 08:30

Geschlossene Mensen, keine Präsenzveranstaltungen, kein
Hochschulsport - Corona hat das Campusleben an vielen Hochschulen in
Brandenburg ausgebremst. Zum Wintersemester soll es aber langsam
wieder hochgefahren werden. Dafür gibt es gezielte Initiativen.

Wildau/Frankfurt (Oder) (dpa/bb) - Brandenburger Hochschulen wollen
nach den Beschränkungen in der Corona-Pandemie das Campusleben
reaktivieren. «Den Campusbetrieb mussten wir zeitweise auf das
Nötigste zurückschrauben und hatten mit dem Lockdown natürlich auch
einen Einbruch des Campuslebens», berichtete der Sprecher der
Technischen Hochschule Wildau, Mike Lange. Mensa, Studentenclub,
Sportangebote, Tutorien, Chor, Orchester - all das habe die
Hochschule in Lockdown-Zeiten nicht anbieten können.

Mit digitalen Möglichkeiten versuchte die Hochschule, Angebote bis
hin zu Online-Sportkursen teils anders zu gestalten. «Die
Studierenden hatten aufgrund des überwiegenden Online-Lernens
natürlich einen Wegfall fast aller sozialen Kontakte.» Ab Oktober
strebe die Hochschule einen Mix mit 50 Prozent Präsenzveranstaltungen
an. Vor allem der Labor- und Übungsbetrieb sei maßgeblich mit Praxis
und Präsenz verbunden.

Auch an anderen Hochschulen soll es ein «Hybrid-Semester» aus Online-
und Präsenzlehre geben. «Wir unternehmen Vorkehrungen wie die
3G-Regel, die für Lehrveranstaltungen gilt», sagte Frauke Adesiyan,
Sprecherin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Auch
arbeite die Viadrina an Raumbelegungen, die möglichst viel
Präsenzlehre unter den vorgegebenen Abstands- und Hygienevorgaben
ermöglichten.

Um das Leben auf dem Campus wieder in Gang zu bringen, aber auch die
Studenten wieder zu motivieren, haben einige Hochschulen Initiativen
gestartet. So gibt es in Wildau mit dem Start des Wintersemesters
eine Welcome (Back)-Initiative. Dabei sollen alte Netzwerke
reaktiviert werden und neue entstehen. Neben
Einführungsveranstaltungen soll es auch eine Fahrradtour von Grünau
nach Wildau mit Frühstück auf dem Campus geben.

In der Europa-Universität gibt es die Initiative «Welcome back @
Viadrina». Sie beinhaltet Einführungstage für alle Studiengänge,
Angebote des Zentrums für Lehre und Lernen, ein Tutorienprogramm und
weitere Maßnahmen, um ein Ankommen im Präsenz-Studium zu erleichtern
- nach der Erfahrung mit Corona. «Viele Studierende aus dem Ausland
konnten nicht anreisen und haben von ihren Heimatländern aus an den
Vorlesungen und Seminaren teilgenommen», sagte Adesiyan. Auch
deutsche Studierende seien vielfach wieder in ihre Heimat gefahren -
auch aus finanziellen Gründen.

In der Medizinischen Hochschule Theodor Fontane in Neuruppin konnte
sich noch kein breites Campusleben entwickeln und nicht wegbrechen,
weil die Hochschule sehr jung ist. «Wir sind aber sehr schnell auf
digitale Lehre umgeschwenkt», sagte Sprecher Eric Hoffmann. Für das
Wintersemester wolle die Hochschule zur Präsenzlehre zurückkehren und
das «Beste aus digitalen und analogen Veranstaltungen» anbieten.
Dabei gelte eine Art «Zweieinhalb G-Regel». Sind nur Geimpfte und
Genesene im Seminar, entfällt die Maskenpflicht, kommt ein Getesteter
hinzu, gilt wieder Mund-Nasen-Schutz.

Gelitten hat in der Corona-Krise nicht nur das Campusleben, auch
Angebote der Studentenwerke brachen weg. «Der Bereich der
Kulturförderung beschränkte sich auf einige digitale Angebote und die
wirtschaftliche Unterstützung der Studierendenklubs», sagte der
Sprecher des Studentenwerks Frankfurt (Oder), Andreas Gaber. Die
Mensen seien eingeschränkt geöffnet. Dort sei ein gravierender
Umsatzrückgang zu verzeichnen. «Unsere Wohnanlagen sind derzeit nur
in Eberswalde ausgebucht. An den anderen Standorten bestehen freie
Kapazitäten», sagte der Sprecher.

Weniger Probleme hat das Studentenwerk Potsdam, wo Wohnheimplätze
nach wie vor stark nachgefragt seien. Nach Angaben von Sprecherin
Julia Sammler gibt es bereits 3137 Bewerbungen dafür. «Die Frage nach
verfügbaren Wohnheimplätzen erreicht uns regelmäßig. Bis Mitte
November sind erfahrungsgemäß alle Wohnplätze vergeben», sagte die

Studentenwerkssprecherin.