Nicht nur Roboter in Robbenform: Was KI in der Pflege bringt

18.09.2021 04:00

Eine Matratze, die vor Wundliegen schützt. Roboterarme, die beim
Umbetten helfen. Ein Exoskelett, das Bewegungsübungen unterstützt.
Künstliche Intelligenz kann Pflegenden helfen - hat aber Grenzen.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Künstliche Intelligenz (KI) kann in der
Pflege viel Gutes tun, wird aber nach Expertenansicht noch zu wenig
eingesetzt. «Wir müssen KI in der Pflege mehr erforschen, denn wir
haben immer mehr Pflegebedürftige und immer weniger Pflegekräfte»,
sagte der Pflegedirektor der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik
Frankfurt, Johannes Hofmann, der Deutschen Presse-Agentur. KI-Systeme
könnten Pflegende unterstützen und sie dadurch länger im Beruf
halten.

KI-Systeme würden heute vor allem für Büro-Tätigkeiten genutzt,
erklärte Hofmann im Vorfeld einer Tagung der BG-Unfallkliniken am 23.
und 24. September: Eine elektronische Pflegedokumentation ermittle
Risikofaktoren wie Wundliegen, ambulante Pflegedienste planten damit
ihre Touren, Krankenhäuser ihre Dienstpläne.

Wer bei KI an Roboter denkt, liegt trotzdem nicht falsch: «Paro» in
Form einer Robbe soll bei Demenzpatienten Emotionen wecken, «Pepper»
mit Altenheimbewohnern kommunizieren. Weniger aufsehenerregend sind
Reinigungs- oder Desinfektionsroboter. Im Allgemeinen würden diese
Dinge aber bisher «eher zögerlich» eingesetzt, sagte Hofmann.

Als Prototypen seien einige vielversprechende Produkte auf dem Markt,
sagte Hofmann - zum Beispiel eine Matratze, die überwacht, dass der
Patient sich nicht wund liegt oder ein Exoskelett, das bei
Bewegungsübungen hilft. Gut einsetzbar seien auch Roboterarme, die
Pflegekräfte beim Lagern von Patienten unterstützen.

Hauptvorteil von KI-Anwendungen in der Pflege sei, «dass sie 365 Tage
24 Stunden laufen», sagte Hofmann. Allerdings gebe es auch Grenzen:
Die strengen Datenschutz-Vorgaben in Deutschland seien ein Hemmschuh.
Außerdem kosten zum Beispiel Roboter viel Geld, und das sei gerade in
der Pflege knapp. Der wichtigste Nachteil aber sei, «dass ein
Computer keine soziale Kompetenz hat - und die ist in der Pflege
enorm wichtig.»