Verzögerung bei neuen Pooltests - Lehrerverband vermisst Schulbücher Von Ulf Vogler, dpa

17.09.2021 16:47

Keine Luftreiniger und eine anfällige Online-Lernplattform. Solche
Probleme machten im vergangenen Jahr viel Ärger in Bayern. Und jetzt
fehlen auch noch analoge Lernmittel.

Augsburg (dpa/lby) - Nach den langen Ferien läuft an den bayerischen
Schulen weiter nicht alles rund. So wird die angekündigte Umstellung
der Coronatests in den Grund- und Förderschulen noch nicht in der
kommenden Woche überall möglich sein. Zudem kritisierte der
Bayerische Philologenverband (BPV) am Freitag, dass an Gymnasien
Schulbücher fehlten. Betroffen davon sei vor allem die neunte
Jahrgangsstufe des neuen neunjährigen Gymnasiums.

Wie eine Recherche der Deutschen Presse-Agentur in Schwaben ergab,
haben einige Grundschulen die Einführung der sogenannten Lollitests
verschoben. Teils werden die Lehrer auch erst in der kommenden Woche
über die Pooltests im Detail informiert. Das Kultusministerium in
München hatte angekündigt, dass diese Tests «ab dem 20. September an

Grund- und Förderschulen für noch mehr Sicherheit sorgen» würden.

Der bayernweite Projektstart für die neuen Pooltests bleibe wie
geplant nächste Woche, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag
- ergänzte aber: «Das bedeutet auch, dass es nicht ab Montag mit der
neuen Testung losgehen muss.»

Es könne aus unterschiedlichen Gründen zu Verzögerungen kommen. So
könne es sein, dass Einverständniserklärungen der Eltern fehlten, es

zu Lieferschwierigkeiten komme oder noch nicht alle Daten im System
eingegeben seien. In diesen Fällen würden noch «für eine kurze
Übergangszeit» die bisherigen Selbsttests weiter verwendet,
erläuterte der Sprecher.

Die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Gabriele
Triebel, kritisierte, die Verzögerung habe sich abgezeichnet und
müsse von der Schulfamilie ausgebadet werden. «Gute Planung sieht
anders aus!»

Bei den neuen PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden und die als
genauer gelten als die bisherigen Schnelltests, sollen die Kinder an
zwei Tupfern lutschen. Zunächst werden die Proben von allen in einem
größeren Röhrchen gesammelt - also als Pool - untersucht. Findet sich

ein Hinweis auf eine Infektion in der Klasse, werden die zweiten
Proben der Kinder einzeln analysiert.

Lehrerverbände hatten das Projekt bereits kritisiert, weil es zu
kurzfristig von den Schulen eingeführt werden müsse. «Das Schuljahr
beginnt, wie das alte geendet hat: Hektik, Stress und großer Druck»,
sagte die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und
Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, zur Wochenmitte.

Erst wenige Tage vor Beginn des Schuljahrs habe das Ministerium über
die neuen Pooltests informiert, bemängelte auch die Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit dem unrealistischen Zeitplan
habe sich erneut gezeigt, «wie weit entfernt das Kultusministerium
von der schulischen Realität ist».

Der Philologenverband bemängelte auch noch ein anderes Problem: Seit
Jahren stehe fest, dass die neunten Klassen der Gymnasien aufgrund
eines neuen Lehrplans auch neue Bücher benötigten. Diese Bücher seien

noch nicht ausgeliefert. Die Ursache dafür sei unklar, teilte der BPV
mit.

In den Lehrerzimmern werde sogar über Papiermangel spekuliert. «Es
kann nicht sein, dass die Schulen in den Ferien palettenweise
Corona-Selbsttests angeliefert bekommen, bei Lehrwerken vielfach aber
leer ausgehen», kritisierte Verbandschef Michael Schwägerl.

Auch andere Themen, wie die immer noch unzureichende Versorgung der
Schulen mit Luftreinigern, hatten in den Tagen seit dem Start des
neuen Schuljahres am vergangenen Dienstag Diskussionen ausgelöst. Im
vergangenen Schuljahr gab es zudem an vielen Schulen Probleme mit der
Lernplattform Mebis, wodurch der Distanzunterricht erschwert wurde.