Bundesamt für Strahlenschutz weist auf radioaktiv belastete Pilze hin

16.09.2021 15:36

Salzgitter (dpa) - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) macht
Sammler auf radioaktiv belastete Pilze in Wäldern aufmerksam. Vor
allem in Süddeutschland wiesen einige Pilzarten stark erhöhte Mengen
des radioaktiven Isotops Cäsium-137 auf, heißt es im aktuellen
Pilzbericht, über den das BfS am Donnerstag informierte. «Das
radioaktive Cäsium stammt noch immer aus dem Reaktorunfall in
Tschernobyl vor 35 Jahren», erklärte Präsidentin Inge Paulini.

«Gelegentlich auch höher belastete Pilze zu verzehren, ist zwar nicht
verboten. Dennoch sollte man sich über die üblicherweise stärker
belasteten Pilzarten informieren und sie im Wald stehen lassen, um
eine unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden», sagte Paulini. Das
Umweltbundesministerium empfiehlt nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze
pro Woche zu essen. Von größeren Mengen ginge jedoch nicht
unmittelbar ein gesundheitliches Risiko aus, sagte eine Sprecherin
des BfS.

Hohe Cäsium-Werte seien unter anderem bei Maronenröhrlingen,
gelbstieligen Trompetenpfifferlingen und verschiedenen
Schnecklingsarten gemessen worden, hieß es. Unbedenklich seien etwa
der Blutende Wald- sowie Zuchtchampignons.

Stärker belastet seien Pilze vor allem in Regionen, in denen nach der
Atomkatastrophe überdurchschnittlich viel Cäsium abgelagert worden
sei, heißt es in einer Mitteilung des Bundesamtes. Das waren laut dem
Pilzbericht vor allem Gebiete im Süden Bayerns wie der Bayerische
Wald. Aber auch das Osnabrücker Land sowie Teile entlang der Leine
zwischen Hannover und Göttingen, entlang der Elbe zwischen Schwerin
und Magdeburg und bei Lübeck waren betroffen.

Die Belastung sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Vereinzelt würden aber weiterhin Werte von 4000 Becquerel gemessen.
Zum Vergleich: Der Grenzwert für Pilze im Handel liegt bei 600
Becquerel.

Nach BfS-Angaben hat der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 3000
Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm eine Belastung von 0,008
Millisievert zur Folge. «Dies entspricht der Strahlenbelastung bei
einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria», schreibt das Bundesamt.