Rentner nach Fahrradunfall gestorben - behandelnde Ärzte vor Gericht

15.09.2021 17:19

Ein Mann stürzt vom Fahrrad und sucht wegen Schmerzen am Hals ein
Krankenhaus auf. Dort wird er untersucht und wieder nach Hause
geschickt. Später stirbt der Mann. Ein Gericht geht nun der Frage
nach, ob die behandelnden Ärzte einen fatalen Fehler gemacht haben.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Wegen fahrlässiger Tötung eines Patienten
hat in Frankfurt der Prozess gegen zwei Krankenhausärzte begonnen.
Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Medizinern aus einem
Krankenhaus in Bad Homburg (Hochtaunuskreis) vor, im August 2018
einen 74 Jahre alten Rentner nach einem Fahrradunfall mit einer
Prellung am Hals nach Hause geschickt zu haben statt ihn im
Krankenhaus aufzunehmen. Der Patient kollabierte wenige Stunden
später in seiner Wohnung und starb.

Der 59 Jahre alte Facharzt und eine 35 Jahre alte Assistenzärztin
sagten am Mittwoch vor dem Landgericht aus, dass sie nicht von einem
Notfall ausgegangen seien, wie die Deutsche Presse-Agentur
im Anschluss an die Verhandlung erfuhr.

Seiner Aussage zufolge war der Hals-Nasen-Ohren-Arzt nach der
Untersuchung der Schwellungen überzeugt davon, dass nichts weiter
mehr passieren wird, wie Prozessbeteiligte nach der Verhandlung
berichteten. Der Unfall habe zu diesem Zeitpunkt schon 24 Stunden
zurückgelegen, sagte der Mediziner demnach.

Auch die in der Notaufnahme beschäftigte Assistenzärztin sagte
den Angaben zufolge, sie habe die Sache nicht mehr als Notfall,
sondern als gewöhnlichen Hals-Nasen-Ohren-Fall betrachtet. Im Verlauf
des Prozesses sollen zwei medizinische Gutachter zur Frage gehört
werden, ob dennoch ein 24-stündiger Aufenthalt des Patienten in der
Klinik geboten gewesen wäre.

Der Rentner war bei dem Unfall mit seinem Hals gegen den Lenker des
Rads geprallt. Im Krankenhaus wurde er nur kurze Zeit untersucht und
dann entlassen. Der Anklage zufolge hätten die beiden Mediziner den
74-Jährigen zu einer 24-stündigen Beobachtung in der Klinik behalten
müssen. Auf mögliche Komplikationen hätte dadurch besser reagiert
werden können. Die Strafkammer steht vor einer ausgedehnten
Beweisaufnahme mit vorerst sieben weiteren Verhandlungsterminen bis
Mitte November.