Impfpflicht gilt nun in Frankreich für bestimmte Berufsgruppen

15.09.2021 17:23

Paris (dpa) - In Frankreich gilt seit Mittwoch für bestimmte
Berufsgruppen eine Impfpflicht gegen das Coronavirus, insgesamt geht
es um rund 2,7 Millionen Beschäftigte. Bei Missachtung droht eine
Suspendierung ohne Fortzahlung des Lohns. Mindestens eine erste
Impfung müssen nun Beschäftigte nachweisen, die im Krankenhaus- und
Pflegebereich arbeiten, aber auch Feuerwehrleute, Beschäftigte des
Zivilschutzes sowie die Beamten der Gendarmerie. Wer bislang nur die
erste Impfdosis erhalten hat, muss zudem einen negativen Test auf der
Arbeit vorlegen, bis er einen vollständigen Impfschutz hat. Ihre
Impftermine dürfen die Beschäftigten ausdrücklich in die Arbeitszeit

legen, um die Impfung zu erleichtern, hieß es.

Die verschärften Corona-Regeln, zu denen auch die Impfpflicht für
bestimmte Berufe gehört, hatten in Frankreich seit dem Sommer großen
Protest ausgelöst, auch am vergangenen Wochenende gingen Zehntausende
auf die Straße. Aufschub von der Suspendierung können Betroffene
erhalten, wenn sie freie Tage oder Urlaub nehmen. Sobald sie die
Impfung erhalten haben, endet auch die Sanktion, betonten die
Behörden. Eine Entlassung wegen einer fehlenden Corona-Impfung sei
nicht möglich, hieß es.

Die Quote der vollständig Geimpften im Gesundheitsbereich lag in der
vergangenen Woche bereits zwischen 84 und 91 Prozent. Wie
Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch sagte, seien inzwischen
mehr als neun von zehn Beschäftigten im Gesundheitswesen geimpft.
«Wir stigmatisieren niemanden, wir rufen alle zur Verantwortung auf»,
sagte er. Zwar solle die Impfpflicht strikt befolgt werden, in
ohnehin belasteten Kliniken solle aber pragmatisch und mit Nachsicht
vorgegangen werden.

Die Zeitung «Le Monde» berichtete unter Verweis auf die Direktionen
etlicher großer Kliniken, dort sei eine Impfquote von 95 Prozent
bereits erreicht. Dennoch werden Probleme befürchtet, wenn angesichts
der ohnehin angespannten Personaldecke Krankenhauspersonal wegen
einer fehlenden Impfung nach Hause geschickt werden muss. In
bestimmten Funktionen sei es sehr schwierig, Personal zu ersetzen,
erklärte der Verband der Universitätskliniken in Frankreich. Auch der
Gewerkschaftsbund, der gegen die Impfpflicht ist, befürchte
Schwierigkeiten beim Betrieb der Kliniken, schrieb «Le Monde».