Evangelische Kirche will Afghanen helfen - Dreyer besucht Synode

12.09.2021 12:12

500 Jahre nach Martin Luthers Auftritt in Worms kommt hier eine
Kirchensynode zusammen. Afghanistan, Hochwasser, Corona und Sparkurs
- ihre Themenpalette ist breit. Auch eine Landesmutter spricht.

Worms (dpa) - Die Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen
und Nassau (EKHN) hat sich für Flüchtlinge aus Afghanistan
eingesetzt. Sie stimmte in Worms nach eigenen Angaben mit
überwältigender Mehrheit einer Resolution zu, die Bund und Länder
auffordert, bereits hier lebenden Geflüchteten eine sichere
Perspektive zu geben. Präses Ulrich Oelschläger erinnerte am Samstag
an die Terroranschläge in den USA genau 20 Jahre zuvor, die
schließlich zum Krieg in Afghanistan geführt hätten.

Die 80 Synodalen und 60 per Video zugeschalteten Delegierten waren an
einem historischen Ort zusammengekommen: 500 Jahre nach dem Auftritt
des Urhebers der Reformation, Martin Luther, vor dem Reichstag in
Worms beriet die mit einem Kirchenparlament vergleichbare Synode in
der Stadt am Rhein. Die EKHN erstreckt sich auf Gebiete in Hessen und
Rheinland-Pfalz.

Die Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte bei der
Synode nach Angaben der EKHN vom Sonntag zu, die Integration für
afghanische Flüchtlinge voranzutreiben, auch mit besseren rechtlichen
Voraussetzungen. Sie sprach sich laut EKHN für dauerhafte
Aufenthaltsgenehmigungen für Geflüchtete aus dem asiatischen Land
aus, das kürzlich von den militant-islamistischen Taliban erobert
worden war: «Wir brauchen eine Perspektive für die Menschen.»

Dreyer dankte der EKHN zudem für ihre Hilfe nach der Flutkatastrophe
und in der Corona-Pandemie. In den Flutgebieten im Ahrtal seien auch
Kirchen und Gemeindehäuser zerstört oder schwer beschädigt worden.
Die Kirche habe vielen Menschen Trost zu spenden versucht.

Die Flutkatastrophe sei neben der Corona-Pandemie die zweite große
Krise, die Rheinland-Pfalz aktuell meistern müsse. «Corona ist leider
noch nicht vorbei», betonte Dreyer. Sie könne nur alle Menschen
ermutigen, sich impfen zu lassen, um sich selbst, aber auch andere
vor einer Infektion zu schützen. Sie sei der EKHN daher sehr dankbar,
dass sie die Kampagne #EinPikserFürAlle gestartet habe und damit für
die Impfung werbe.

Die Synode debattierte zudem laut der Landeskirche über den
Reformprozess «ekhn2030». Ein Papier, über das im November weiter
beraten werden soll, sieht etwa vor, dass die gesamtkirchlichen
Zuweisungen für Gebäude bis 2030 um bis zu 20 Millionen Euro gekürzt

werden müssen. Die stärksten Einschnitte soll es bei den 900
Gemeindehäusern geben: Um zu nennenswerten Einsparungen zu kommen,
müsste etwa jedes zweite aus der gesamtkirchlichen finanziellen
Unterstützung genommen werden. Die evangelische und die katholische
Kirche in Deutschland haben in den vergangenen Jahren viele
Mitglieder und damit Kirchensteuereinnahmen verloren.