Britische Impfkommission ändert Empfehlung für Astrazeneca-Impfstoff

07.04.2021 17:14

In Großbritannien hatten Bedenken gegen den an der Universität Oxford
entwickelten Astrazeneca-Impfstoff bislang nur für Kopfschütteln
gesorgt. Das Mittel gilt als Symbol des Impferfolgs in dem Land. Doch
nun hat die Impfkommission ihre Empfehlung doch angepasst.

London (dpa) - Die britische Impfkommission hat ihre Empfehlung für
den Astrazeneca-Impfstoff nach einer Überprüfung geändert. Das
Präparat soll künftig möglichst nur noch über 30-jährigen Erwachs
enen
verabreicht werden, wie die Kommission am Mittwoch mitteilte. Grund
sind Berichte über seltene Fälle von Blutgerinnseln im Zusammenhang
mit einer Impfung mit dem Vakzin.

In Großbritannien sind nach Angaben der Arzneimittelbehörde
MHRA bislang 79 Fälle von seltenen Blutgerinnseln nach Impfungen mit
dem Astrazeneca-Impfstoff aufgetreten. Dabei kam es zu 19
Todesfällen. Die meisten dieser Fälle betrafen junge Menschen. Ein
direkter Zusammenhang mit dem Impfstoff konnte laut Impfkommission
zwar noch nicht nachgewiesen worden. Aber angesichts des geringeren
Risikos für jüngere Menschen an Covid-19 zu sterben, habe man diese
Abwägung getroffen, hieß es.

In Deutschland hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern
wegen der Thrombose-Fälle, die vor allem bei jungen Frauen auftraten,
beschlossen, das Präparat in der Regel nur noch Menschen ab 60 Jahren
zu verabreichen. Für jüngere Menschen ist eine Impfung damit nur nach
Aufklärung über die Risiken auf eigene Gefahr möglich. Auch in
anderen Ländern wird der Impfstoff nur noch eingeschränkt empfohlen.
In Frankreich beispielsweise wird er nur über 55-Jährigen
verabreicht.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte zuvor mitgeteilt, die Anwendung
des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca trotz der selten auftretenden
Blutgerinnsel nicht einzuschränken. Der Nutzen des Wirkstoffes sei
höher zu bewerten als die Risiken, so die Behörde.

Die Universität Oxford hatte eine klinische Studie mit dem
Astrazeneca-Impfstoff an Kindern und Jugendlichen wegen der
Überprüfung vorübergehend gestoppt.