Lehrerverbände fordern: Nur noch geimpfte Lehrkräfte an Schulen

07.04.2021 14:13

Wie geht es an Berlins Schulen in der dritten Corona-Welle weiter?
Die Gewerkschaft GEW und der Philologenverband legen schon mal einen
Katalog von Forderungen vor. Ein Punkt ist ihnen besonders wichtig.

Berlin (dpa/bb) - Nach dem Willen von Lehrerverbänden sollten nach
den Osterferien an Berlins Schulen nur noch gegen Corona geimpfte
Lehrkräfte unterrichten. Zudem machten die Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW) und der Deutsche Philologenverband am Mittwoch
deutlich, dass sie beim Schulstart nächste Woche eine Fortführung des
Präsenzunterrichts in der jetzigen Form wegen der dritten Corona-
Welle für nicht mehr vertretbar halten. Der Senat berät am Donnerstag
unter anderem über die Frage, wie es an den Schulen weitergehen soll.

«Präsenzangebote sollten nur von Kolleginnen und Kollegen
durchgeführt werden, die ein Impfangebot wahrnehmen konnten und einen
ausreichenden Immunschutz haben», sagte der Geschäftsführer der
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Markus Hanisch, zwei
Tage vor dem letzten Ferientag der Deutschen Presse-Agentur.

Allen Beschäftigten an den Schulen im Kontakt mit Kindern und
Jugendlichen müsse schnellstmöglich ein Impfangebot unterbreitet
werden, forderte er. Das betreffe neben Lehrern etwa Reinigungskräfte
in der Tagesreinigung. «Ihnen sollen vorbehaltlich ärztlicher
Freigabe auch Impfstoffe angeboten werden können, die nur für
bestimmte Altersgruppen empfohlen sind», so Hanisch.

Für Ärger und Unverständnis unter den Lehrern sorgte laut GEW die
Absage bereits vereinbarter Impftermine mit dem Vakzin von
Astrazeneca. Auch die Vorsitzende des Philologenverbands
Berlin/Brandenburg, Kathrin Wiencek, übte deshalb scharfe Kritik.
Denn das Risiko, sich im Unterricht zu infizieren, habe sich durch
die Virus-Mutationen und mehr Corona-Fälle gerade bei Jugendlichen
signifikant erhöht. Wegen bestimmter Nebenwirkungen wird der
Astrazeneca-Impfstoff aktuell nur für Menschen ab 60 empfohlen.

«Die Schulen können erst dann wieder in den Regelbetrieb übergehen,
wenn die Beschäftigten sowie die Schülerinnen und Schüler
ausreichenden Immunschutz haben», betonte Hanisch. Der
Philologenverband geht noch einen Schritt weiter: Eine Rückkehr zum
Präsenzunterricht, «welcher Art auch immer», sei nur nach Impfung der

Lehrkräfte an den Gymnasien und Sekundarschulen sowie bei
Gewährleistung einer Testpflicht mindestens zweimal in der Woche
möglich, so Wiencek.

Momentan wird für die meisten Schüler Wechselunterricht in kleinen
Gruppen angeboten - sie lernen also abwechselnd in der Schule oder zu
Hause. Lediglich Schüler der Klassen sieben bis neun sind noch
komplett zu Hause.

Die GEW fordert nun, dass die Schulen spätestens ab einer Inzidenz
von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche zum
Distanzlernen zurückkehren, also zum angeleiteten Lernen zu Hause.
Die aktuelle Inzidenz in Berlin liegt deutlich über diesem Wert. Für
Schüler mit besonderen Unterstützungsbedarfen oder Schwierigkeiten
mit dem Distanzlernen müsse es aber mehr und flexiblere
Präsenzangebote als bisher in den Schulen geben.

«Es muss eine Abkehr von dem starren Wechselmodell mit halber
Stundentafel geben, damit nicht zu viele Schülerinnen und Schüler
gleichzeitig in die Schulen kommen», erklärte der
GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann. «Das Wechselmodell muss
weiterentwickelt werden, so dass je nach Raum-, Personal- und
Infektionslage auch nur ein Drittel oder Viertel der Lerngruppen vor
Ort sein können.»

Wenn die Infektionslage es erlaube, sollten auch wieder
Präsenzangebote auf freiwilliger Basis für jeden Schüler unterbreitet

werden. «Zusätzlich kann es kreative Unterrichtsformen
beziehungsweise pädagogische Angebote für alle Schülerinnen und
Schüler in kleinen Gruppen geben, die den sozialen Aspekt und das
psychosoziale Wohlbefinden in den Vordergrund stellen», so Erdmann.
Dazu könnten auch Ausflüge gehören.

Zudem forderte die GEW den Senat auf, tägliche Corona-Tests für alle
Anwesenden in der Schule ohne ausreichenden Immunschutz zu
ermöglichen. Um die pandemiebedingt entstandenen Lernrückstände sowie

die eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und
Jugendlichen abzufedern, sei ein längerfristiges
Bildungsinvestitionsprogramm nötig. Teil eines solchen Programms
müssten breite kostenfreie Angebote zur Lernförderung oder Nachhilfe
sein sowie Ferienschulen für mindestens drei Jahre.