Hausärzte beginnen mit Corona-Impfungen - Unbürokratische Reihenfolge

06.04.2021 15:07

Wer sich in Deutschland impfen lassen möchte, geht normalerweise zu
seinem Hausarzt. Bei Corona galt das bislang nicht, weil die
Impfstoffe knapp und nicht leicht zu verteilen waren. Doch jetzt
sollen die Hamburger den Virenschutz auch in den Praxen bekommen.

Hamburg (dpa/lno) - Gut drei Monate nach Beginn der Corona-Impfungen
sollen sich Hamburger nun auch in ihren Hausarztpraxen impfen lassen
können. Noch in dieser Woche beginnen die Hausärzte mit der Aktion,
wie der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg
(KVHH), Walter Plassmann, am Dienstag sagte. Von den 940 000
Impfdosen, die Bund und Länder erwarteten, würden schätzungsweise
20 000 auf Hamburg entfallen. Wie viele der 1200 Hamburger
Hausarztpraxen sich an der Aktion beteiligen, könne niemand sagen.

Grundsätzlich sei die Impfung in den Praxen die Normalität in
Deutschland. «Das Impfen kehrt dahin zurück, wo es eigentlich
hingehört», sagte Plassmann. Wegen der laufenden Auslieferung des
Impfstoffs werde es nicht vor Mittwochmittag mit den Impfungen
losgehen, ergänzte der Vorsitzende der Vertreterversammlung der KVHH,
Dirk Heinrich.

Plassberg appellierte an die Bürger, sich nicht von sich aus in den
Praxen zu melden. Die Ärzte würden ihre Patienten benachrichtigen.
Andernfalls drohten die Praxen lahmgelegt zu werden. Die
Impfpriorisierung sieht vor, dass zurzeit hauptsächlich Menschen über
75 Jahren geimpft werden.

Plassmann geht davon aus, dass die Ärzte die Impfverordnung großzügig

auslegen werden. Der gelieferte Impfstoff solle schnell verimpft
werden, ohne dass jeweils eine Zweitdosis zurückgelegt werde. Die
Industrie habe zugesichert, dass weitere, größere Lieferungen kämen.


Allein im April werden bundesweit mehr als 15 Millionen Dosen
erwartet. Und damit mehr, als im gesamten ersten Quartal gespritzt
wurden, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erläuterte. Im
zweiten Quartal sollen insgesamt 70 Millionen Dosen anrollen.

Zunächst werde in den Praxen nur der Biontech-Impfstoff eingesetzt.
Dieses Präparat könne 120 Stunden im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Werde eine Ampulle geöffnet, müssten die sechs Dosen innerhalb von
ein bis zwei Stunden verimpft werden, erläuterte Heinrich. Sollte für
die letzte Dosis aus der angebrochenen Ampulle gerade kein über
75-Jähriger zur Verfügung stehen, werde man auch einen 70- oder
65-Jährigen impfen. Das sei allemal besser, als Impfstoff
wegzuwerfen. «Es ist wichtig, dass viel geimpft wird, und nicht so
wichtig, dass der Bürokratie genügegetan wird», betonte Plassmann.

Im Hamburger Impfzentrum in den Messehallen waren am Ostersonntag
6600 Menschen geimpft worden. Das war die bislang höchste Tageszahl.
Am Ostermontag sei die Zahl wieder auf knapp 6200 gesunken, sagte
Heinrich. Es hätten mehrere hundert Menschen Impftermine vereinbart,
die noch gar nicht impfberechtigt gewesen seien. Das Impfzentrum soll
vorläufig noch weiter betrieben werden. Beim Impftempo liegt Hamburg
mit 12,8 Prozent bei den Erst- und 5,4 Prozent bei den Zweitimpfungen
im Durchschnitt der Bundesländer. Deutschlandweit sind 12,7 und 5,5
Prozent der Bevölkerung geimpft.

Die Hausärzte sollen in den nächsten Wochen auch mit dem Impfstoff
von Astrazeneca beliefert werden. In Hamburg seien ihm bislang keine
Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen bekannt geworden,
sagte Heinrich. Wegen mehrerer Fälle in anderen Bundesländern hat die
Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen, das Präparat in der Regel
nur noch für Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Es seien nach dem
Impfen - mit Astrazeneca, aber auch mit den Stoffen von Biontech und
Moderna - vereinzelt allergische Reaktionen aufgetreten, erklärte
Heinrich weiter. Diese seien jedoch keine Reaktionen auf den
eigentlichen Impfstoff, sondern auf Hilfsstoffe. Die Fälle seien alle
ärztlich beherrschbar gewesen.