Initiative fordert besseren Schutz von Erntehelfern vor Corona

06.04.2021 06:00

Fehler aus dem vergangenen sollen Jahr vermieden werden, denn in
mehreren Betrieben wurden Erntehelfer mit dem Coronavirus infiziert.
Die Initiative Landarbeit sagt, zu viele Saisonkräfte seien in einem
Raum untergebracht.

Freiburg (dpa/lsw) - Die Initiative Faire Landarbeit hat an die
Landwirte appelliert, Saisonarbeiter angemessen vor dem Coronavirus
zu schützen. Die Fehler des vergangenen Jahres dürften nicht
wiederholt werden, sagte Benjamin Luig, Koordinator der Initiative
Faire Landarbeit, der Deutschen Presse-Agentur.

Er prangerte an, dass es den Landwirten weiterhin erlaubt sei, bis zu
acht Saisonkräfte in einem Zimmer unterzubringen. «Das ist ein
problematischer Doppelstandard zwischen dem Schutz der hiesigen
Bevölkerung und dem Schutz der Saisonarbeiter», sagte Luig. Unter
diesen Bedingungen könne es zu erneuten Corona-Ausbrüchen in
landwirtschaftlichen Betrieben kommen.

Im vergangenen Jahr gab es Fälle in mehreren Betrieben in
Baden-Württemberg. So zählten die Behörden etwa bei einem
Spargelanbauer in Bad Krozingen 16 Infizierte. Ein Erntehelfer aus
Rumänien, der auf dem Hof beschäftigt war, starb in der Woche vor
Ostern 2020 nach einer Corona-Infektion.

Der Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und
Erdbeeranbauer, Simon Schumacher, erklärte, Erntehelfer seien in
Unterkünften besser geschützt als Personen, die über Schulen,
Kindergärten und Arbeit wesentlich mehr Kontakt zu potenziell
infizierten Personen hätten. «Daher wird die Zusammenarbeit zwischen
einheimischen Personal mit den osteuropäischen ErntehelferInnen so
gering wie möglich gehalten.» Die Saisonarbeitskräfte würden
üblicherweise vor der Einreise getestet, vor Arbeitsaufnahme und nach
fünf Tagen. Sobald neue Mitarbeiter dazukämen, empfehle man erneute
Testungen. Außerdem würden in den Betrieben zahlreiche
Hygienemaßnahmen umgesetzt.

Jährlich helfen in den deutschen Landwirtschaftsbetrieben im
Durchschnitt rund 300 000 Saisonkräfte. Im Südwesten sind es nach
Angaben des Landesbauernverbands 50 000.

Die Initiative Faire Landarbeit ist ein Bündnis der Gewerkschaft IG
Bau und von Beratungsorganisationen. Mitarbeiter der Organisationen
besuchen Saisonarbeiter während der Arbeit auf dem Feld und bieten
ihnen Beratung zu ihren Rechten an. Viele der Menschen, die vorrangig
aus Osteuropa nach Deutschland kommen, wüssten zum Beispiel nicht,
wie hoch der hiesige Mindestlohn sei, sagte Koordinator Luig. Auch
seien viele Erntehelfer nicht krankenversichert oder könnten in
Beratungsgesprächen zumindest nicht sagen, ob sie in Deutschland über
die Betriebe versichert seien.

An Covid-19 zu erkranken sei dabei nicht das einzige gesundheitliche
Risiko für Saisonarbeiter. Ihnen setze auch die Hitze und die
Sonneneinstrahlung auf dem Feld zu. Oftmals würde ihnen von den
Betrieben nicht ausreichend Trinkwasser zu Verfügung gestellt und es
fehle an Pausen und Schatten, bemängelte Luig.