Bisher rund 40 Lungen-Transplantationen bei Covid-19-Patienten

02.04.2021 12:18

Wien (dpa) - Weltweit haben nach Angaben der Medizinischen
Universität Wien bisher mindestens 40 Covid-19-Patienten als letzten
Rettungsversuch eine neue Lunge erhalten. «Die Transplantation ist
deutlich komplexer als bei anderen Patienten», sagte der Wiener
Thoraxchirurg Konrad Hötzenecker am Freitag. Die Entfernung der vom
Coronavirus zerstörten Lunge sei schwierig, außerdem seien die
Patienten in einem äußerst schlechten Zustand. Die Überlebensrate
nach der kritischen Frist von drei Monaten liege aber bei 95 Prozent.
In Wien wurden zwölf der rund 40 den Experten bekannten
Lungentransplantationen bei Covid-19-Patienten gemacht.

Als erster Patientin in Europa wurde an der MedUni Wien einer
44-Jährigen im Mai 2020 eine neue Lunge eingesetzt. «Ihr geht es gut.
Sie führt inzwischen wieder ein normales Leben», sagte
Hötzenecker, Leiter des Wiener Lungentransplantationsprogramms, das
mit rund 100 Transplantationen pro Jahr gemeinsam mit jenen in
Toronto, Cleveland und Hannover zu den größten der Welt
gehört. Aufbauend auf der Wiener Expertise wurden nun zusammen mit
Experten und Expertinnen aus den USA, Europa und Asien im Journal
«The Lancet Respiratory Medicine» generelle Auswahlkriterien für eine

Lungentransplantation im Fall von Covid-19 vorgestellt.

Klar sei, dass ein dermaßen komplexer Eingriff nur für Menschen
infrage komme, die aufgrund ihres Alters und eines allgemein
günstigen Gesundheitszustandes gute Chancen auf eine Genesung mit
neuer Lunge hätten, so Hötzenecker. Als Kriterien für eine möglic
he
Transplantation wurden unter anderem das Ausschöpfen aller
konservativen Therapieoptionen, keine Erholung der durch Covid-19
geschädigten Lunge trotz mindestens vierwöchiger Beatmung, mehrfacher

Nachweis des irreversiblen Lungenschadens sowie das Fehlen
relevanter Begleiterkrankungen vorgeschlagen. 

Angesichts der dritten Corona-Welle erhalte die MedUni Wien wieder
vermehrt Anfragen von Intensiv-Stationen, ob eine Transplantation
infrage käme, so Hötzenecker.