Regierung, Schüler, Eltern und Lehrer sprechen über Schulöffnungen

29.03.2021 07:00

Wie weiter nach den Osterferien? Diese Frage stellt sich vor allem
für die Schulen. Die Corona-Zahlen steigen im Moment. Doch trotzdem
sollen Kinder und Jugendliche nicht mehr bloß zu Hause büffeln.

Stuttgart (dpa/lsw) - Ministerpräsident Winfried Kretschmann will,
dass nach den Osterferien alle Schüler wieder in die Schulen
zurückkehren - abwechselnd und getestet. Wie das genau ablaufen kann,
will der Grünen-Politiker am Montag (16.00 Uhr) mit Vertretern von
Schülern, Eltern und Lehrern besprechen. An der Videokonferenz sollen
auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister
Manne Lucha (Grüne) teilnehmen.

Vor dem virtuellen Treffen forderten Eltern-, Schüler- und
Lehrervertreter eine verbindliche Teststrategie des Landes. Die GEW
etwa verlangt von so einer Vereinbarung mit der Landesregierung, dass
mindestens zwei Tests pro Woche für jede Schülerin und jeden Schüler

an der Schule garantiert werden. Bisher hänge die Umsetzung viel zu
oft an den völlig überlasteten Schulleitungen.

Die Bildungsgewerkschaft hält es für sinnvoll, ab einer Inzidenz über

50 nur Wechselunterricht zuzulassen. Wenn es die Infektionszahlen
zulassen und die Teststrategie steht, ist auch eine Öffnung ab Klasse
7 im Wechselunterricht denkbar, wie die GEW betonte. Die gesamte
Mittelstufe wird derzeit im Fernunterricht beschult. Man hoffe, dass
Kretschmann anders als das Kultusministerium die Vorschläge der
Beteiligten etwa zum Einsatz von mehr Personal wie Pädagogische
Assistenten und Lehramtsstudierende auch ernst nehme und umsetze.

Die Forderungen des Landeseltern- und der Landesschülerbeirates gehen
noch über die der GEW hinaus. Die beiden Verbände verlangen als
Voraussetzung für eine weitere Öffnung der Schulen eine tägliche
Testung aller Schüler. «Das Potenzial für das Testen an den Schulen
ist noch längst nicht ausgeschöpft», sagte die Sprecherin des
Landesschülerbeirates, Elisabeth Schilli, der Deutschen
Presse-Agentur am Sonntag. An manchen Schulen werde ein bis zwei Mal
in der Woche getestet, an anderen gar nicht.

Die Teilnahme an den Tests müsse verpflichtend sein, denn noch immer
gebe es Schüler und Schülerinnen, die sich nicht testen ließen.
«Dabei dient die Testung dem Schutz der Gruppe und deren
Angehörigen», betonte die Abiturientin.

Der Chef des Elternbeirats, Michael Mittelstaedt, sagte: «Die
Hoffnungen der Eltern auf dieses Gespräch sind gewaltig.» Ihre
Wünsche ließen sich auf die Formel «Präsenz und Sicherheit» bring
en.
Deshalb spielten hochwirksame Luftfilter und Plexiglasabgrenzungen in
den Klassenräumen eine große Rolle. Die Kosten dafür lägen bei 220

Millionen Euro. Wenn diese Maßnahmen griffen, sei in Verbindung mit
dem intensiven Testen zumindest an Grundschulen Unterricht ohne
Masken möglich. Eltern und Schüler dringen überdies auf
Lernstanderhebungen, um coronabedingte Lücken zu erkennen und
möglichst schnell entsprechende Förderprogramme in den Ferien
anbieten zu können.

In dem Einladungsschreiben Kretschmanns, das der dpa vorliegt, heißt
es, angesichts stark steigender Infektionszahlen müsse überlegt
werden, «wie wir trotzdem Unterricht ermöglichen können und dabei
zwischen Gesundheitsschutz und den Bedürfnissen der Kinder und
Jugendlichen einen gangbaren Weg finden.» Und weiter: «Für den
Zeitraum nach Ostern sind damit tragfähige Konzepte für den
Schulbetrieb gefragt, um möglichst allen Klassenstufen die Chance auf
Wechselunterricht zu geben.» Dabei würden auch Testungen an Schulen
eine zentrale Rolle spielen.

In Baden-Württemberg sind viele Kinder und Jugendliche seit Mitte
Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten
Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, seitdem sind
auch die Abschlussklassen teils wieder an den Schulen. Seit 15. März
sind die Grundschulen im Regelbetrieb. Auch die 5. und 6. Klassen
sind zurückgekehrt, können aber im Wechsel unterrichtet werden.