Osterferienbeginn: Tausende nach Mallorca - Autobahnen fast frei Von Michael Fischer, dpa

28.03.2021 18:25

Osterferienbeginn bedeutet normalerweise: Kilometerlange Staus auf
den Autobahnen. In diesem Jahr fallen sie wegen Corona fast komplett
aus. Dafür steigen Tausende Urlauber in den Flieger nach Mallorca -
allen Warnungen zum Trotz.

Palma/Berlin (dpa) - Trotz aller Appelle zum Reiseverzicht wegen
Corona sind zu Beginn der Osterferien am Wochenende Tausende Urlauber
nach Mallorca geflogen. Am Samstag kamen 60 Flugzeuge aus Deutschland
in der Inselhauptstadt Palma an, weitere 70 wurden nach Angaben des
Flughafens am Sonntag erwartet. Alleine Eurowings schickte mit 44
Fliegern fast vier Mal so viele auf die Lieblingsinsel der Deutschen
wie vergangenes Wochenende. Die Autobahnen in Deutschland blieben
dagegen ziemlich leer, wie der ADAC mitteilte. Anders als auf
Mallorca sind in Deutschland Hotels, Ferienwohnungen und
Campingplätze für Touristen geschlossen.

BUNDESREGIERUNG WARNT URLAUBER: «SCHLICHT NICHT VERANTWORTBAR»

Die Bundesregierung erneuerte ihre Warnung vor Urlaubsreisen
angesichts stark steigender Infektionszahlen in Deutschland.
«Osterurlaub ist bei den momentanen Entwicklungen schlicht nicht
verantwortbar», sagte Kanzleramtsminister Helge Braun der «Bild am
Sonntag». Er ließ weiter offen, ob es zu einem Reiseverbot kommen
wird, das derzeit im Auftrag des Kanzleramts geprüft wird.
Gleichzeitig verteidigte er den umstrittenen Lockdown für das
Gastgewerbe in Deutschland. Eine Öffnung verbiete sich in einer Zeit,
in der die Infektionszahlen jede Woche um 30 Prozent wüchsen.

Die Bundesregierung hält Mobilität für einen der stärksten
Pandemietreiber und rät seit Monaten von Urlaubsreisen im In- und ins
Ausland ab. Trotzdem strich sie am 14. März Mallorca von der Liste
der Risikogebiete, nachdem die Zahl Neuinfektionen pro 100 000
Einwohner dort innerhalb von sieben Tagen unter den Grenzwert 50
gesunken war. Seitdem sind Urlauber auf den spanischen
Balearen-Inseln von Quarantäne und Testpflicht bei Rückkehr befreit,
was zu einem Buchungsboom für die Osterferien führte. Ab Dienstag
muss allerdings jeder aus dem Ausland einreisende Flugpassagier einen
negativen Corona-Test vorweisen. Eine entsprechende Verordnung tritt
dann in Kraft.

Sollten Mallorca-Urlauber vor dem Heimflug positiv auf Covid-19
getestet werden, müssen sie zumindest nicht mit zusätzlichen Kosten
rechnen. Das regionale Gesundheitsministerium will sie nach einem
Bericht der «Mallorca Zeitung» kostenlos in einem der eigens auf der
Insel eingerichteten Hotels für Infizierte unterbringen, bis sie
genesen sind und niemanden mehr anstecken können. Dafür müsse nur die

Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) vorgelegt werden.

MALLORCA-FLÜGE «RECHT GUT GEBUCHT»

Wann die Bundesregierung die rechtliche Prüfung eines vorübergehenden
Reiseverbots abschließt blieb auch am Wochenende offen. Die Wirkung
wäre aber ohnehin begrenzt, da schon jetzt viele Tausend
Osterurlauber auf Mallorca gelandet sind. Eurowings flog die Insel am
Samstag und Sonntag nach eigenen Angaben 44 Mal von neun deutschen
Flughäfen an, am Wochenende zuvor gingen nur zwölf Flüge. Genaue
Passagierzahlen nannte die Fluggesellschaft nicht. Alle Flüge seien
aber «recht gut gebucht» gewesen, teilte ein Sprecher des
Unternehmens der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Das
Flugangebot liege aber im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit immer noch
bei weniger als 40 Prozent.

Tui brachte knapp 2000 Pauschalurlauber mit 15 Maschinen von fünf
deutschen Flughäfen auf die Insel. Von anderen Fluggesellschaften wie
Condor oder Ryanair wurden zunächst keine Passagierzahlen bekannt. Da
insgesamt pro Flug im Durchschnitt von mehr als 100 Passagieren
auszugehen ist, dürfte die Gesamtzahl der am Wochenende in Mallorca
landenden deutschen Urlauber bei 120 Flügen deutlich über 10 000
liegen. Reiseveranstalter schätzten sogar 16 000 bis 18 000.

LOCKDOWN FÜR EINHEIMISCHES GASTGEWERBE ZEIGT WIRKUNG

Im Inland zeigt der harte Gastgewerbe-Lockdown unterdessen Wirkung.
Der ADAC verzeichnete zum Auftakt der Osterferien in zwölf
Bundesländern deutlich weniger Verkehr als in den Vorjahren und
nahezu freie Autobahnen. Aufgrund der «unklaren Situation und der
Corona-Beschränkungen» seien Reisen und Besuche am Wochenende
größtenteils weggefallen, teilte eine ADAC-Sprecherin am Sonntag mit.
Lediglich an der Grenze zu Österreich habe sich der Verkehr leicht
gestaut mit bis zu 30 Minuten Wartezeit.

Auch im Bahnverkehr war am Wochenende nichts von Osterferien zu
spüren. «Der Reiseverkehr liegt derzeit im Fernverkehr auf dem
niedrigen Niveau der letzten Wochen», sagte eine Bahnsprecherin am
Sonntag.

Dass Osterurlaub im Inland praktisch gar nicht möglich ist, aber auf
Mallorca schon, hatte in den letzten Wochen für viel Unverständnis
gesorgt. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß,
sprach sich in einem «Zeit online»-Interview erneut für Lockerungen
aus: «Warum kann man nach Mallorca fliegen und Urlaub machen und auf
Sylt hat alles zu, obwohl da vielleicht ein ähnlich niedriges Risiko
besteht? Das kann keiner nachvollziehen und ich kann den Ärger
darüber auch verstehen», sagte der CDU-Politiker.

NEUE REISEREGELN FÜR NACHBARLÄNDER

Für einige Nachbarländer Deutschlands gelten seit Sonntag neue
Einreiseregeln. Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen ist
Frankreich nun aus deutscher Sicht Hochinzidenzgebiet. Das bedeutet,
dass man bei der Einreise nach Deutschland ein negatives Testergebnis
dabei haben muss. Für das an Rheinland-Pfalz und das Saarland
grenzende Département Moselle gelten weiterhin noch strengere
Einreiseregeln.

Tschechien, das österreichische Bundesland Tirol und die Slowakei
wurden auf der Risikoliste des Robert Koch-Instituts dagegen aus der
höchsten Kategorie der Virusvariantengebiete zurückgestuft und ein
Teil der Reisebeschränkungen aufgehoben. Die stationären Kontrollen
an den Grenzen zu Österreich und Tschechien bleiben aber vorerst
bestehen.

Auch ganz Dänemark ist nun - mit Ausnahme der autonomen Inseln Färöer

und Grönland - Corona-Risikogebiet. Bisher waren noch die Regionen
Nordjylland und Midtjylland als «risikofrei» eingestuft.