Experte: Angesichts zunehmender Infektionen rasches Impfen wichtig

28.03.2021 15:37

Marburg (dpa) - Vor dem Hintergrund rasch steigender Infektionszahlen
sollte die Bevölkerung nach Ansicht eines Experten möglichst schnell
gegen Covid-19 geimpft werden. Das betonte der Leiter des Instituts
für Virologie der Universität Marburg, Stephan Becker, gegenüber der

Deutschen Presse-Agentur in Bezug auf Äußerungen von Kanzleramtschef
Helge Braun (CDU). Dieser hatte der «Bild am Sonntag» gesagt: «Wenn
jetzt parallel zum Impfen die Infektionszahlen wieder rasant steigen,
wächst die Gefahr, dass die nächste Virus-Mutation immun wird gegen
den Impfstoff.» Im Falle einer solchen Mutation «stünden wir wieder
mit leeren Händen da», so Braun weiter.

«Herr Braun hat grundsätzlich recht», sagt Becker, daher sei nun
rasches Impfen wichtig. Die derzeitigen Impfungen zielten auf ein
bestimmtes Oberflächenprotein des Erregers Sars-CoV-2 ab. Weil sich
das Virus kontinuierlich verändere, würden durch Selektion stets
«bessere» Varianten begünstigt. Das könnten etwa ansteckendere Type
n
sein wie die britische Variante B.1.1.7 oder auch Typen, an die die
vom Immunsystem nach einer Impfung gebildeten Antikörper schlechter
binden könnten - sogenannte Escape-Mutanten. Dies gelte eingeschränkt
etwa für die südafrikanische Variante B.1.351.

Weil bei einem stärkeren Infektionsgeschehen mehr Viren kursieren,
steigt das Risiko für neue Mutanten, die sich solchen Antikörpern
entziehen könnten. «Die werden dann nicht mehr so gut abgefangen wie
das ursprüngliche Virus», erläuterte Becker. Zwar könnten diese
Antikörper noch in gewissem Maße schützen, «aber nicht mehr so gut
».
Insofern stehe man nicht ganz mit leeren Händen da. Generell gelte
aber: Angesichts der steigenden Infektionszahlen sei es ratsam, die
Bevölkerung möglichst schnell zu impfen, betonte Becker.