Viele Großstädte in NRW wollen Notbremse mit Schnelltests stoppen

27.03.2021 14:14

Überraschend sind Ausnahmen vom wieder verschärften Lockdown in
Regionen mit vielen Corona-Infektionen möglich: Wer genug Tests
anbietet, kann etwa Handel und Museen für Negativ-Getestete offen
halten. Viele wollen das umsetzen.

Duisburg/Aachen (dpa/lnw) - Viele Großstädte und Kreise in
Nordrhein-Westfalen mit besonders hohem Infektionsgeschehen wollen ab
Montag mit Hilfe von Schnelltests eine Rückkehr zum strengen Lockdown
vermeiden. Überraschend hatte das Land am Freitag jenen kreisfreien
Städten und Kreisen, bei denen aufgrund lang anhaltend hoher
Corona-Wocheninzidenzen eigentlich eine Notbremse erfolgte
Öffnungsschritte zurückdrehen soll, Ausnahmen ermöglicht: Sofern es

genügend Testmöglichkeiten gibt, sollen das Einkaufen mit Termin, der
Zoo- oder Museumsbesuch sowie körpernahe Dienstleistungen für
Menschen mit tagesaktuellem negativen Corona-Schnelltest erlaubt
bleiben.

Zu den Städten, die diese Testoption ab Montag umsetzen werden,
obwohl sie allesamt in den vergangenen sieben Tagen mehr als 100
Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner verzeichnet haben, gehören die
Städteregion Aachen, Duisburg, Leverkusen, Gelsenkirchen und Herne
und die Kreise Herford und Borken. Sie alle teilten mit, das Land
habe bereits sein Einverständnis erteilt. «Da Schnelltests
mittlerweile an vielen dezentralen Standorten im gesamten Stadtgebiet
angeboten werden, hat der Krisenstab der Stadt deshalb in Abstimmung
mit dem Land beschlossen, diese Option zu nutzen», hieß es dazu etwa
aus Duisburg. Auch Aachen sieht sich gut für die Umsetzung
gerüstet: Es gebe mit bereits rund 200 Teststellen für Bürger berei
ts
eine funktionierende Infrastruktur.

Die Kreise Euskirchen und Mettmann sowie die Städte Mülheim an der
Ruhr, Bochum haben ebenfalls beantragt, von der neuen Testoption
Gebrauch machen zu wollen. «Wir gewährleisten, dass genügend
Testkapazitäten zur Verfügung stehen», teilte Mülheims
Oberbürgermeister Marc Buchholz (CDU) mit. Man gehe davon aus, dass
der Antrag genehmigt werde. Auch Wuppertal und Essen gehörten zu den
Großstädten mit hoher Inzidenz, die Handel und Museen für
Negativ-Getestete offen halten wollen, ebenso der Rhein-Erft-Kreis.
Laut «Ruhrnachrichten» hat auch die Stadt Dortmund einen
entsprechenden Antrag gestellt. Der Kreis Lippe wollte die Option
prüfen - er gehört mit einer Inzidenz von 230,3 immerhin zu den Orten
mit höchster 7-Tages-Inzidenz im Land.

Am Freitag hatte die Landesregierung überraschend erklärt, dass die
vorgesehene Corona-Notbremse doch nicht an die landesweite, sondern
an die regionale Inzidenz der Kreise und kreisfreien Städte gekoppelt
werde. In 31 Kreisen und Kommunen mit einem drei Tage aufeinander
folgenden Corona-Wochenwert von über 100 Neuinfektionen pro 100 000
Einwohnern müssen Handel, Museen und Zoos wieder schließen - es sei
denn, das Land genehmigt ein Testkonzept.

Auf eine Rückkehr zum verschärften Lockdown müssen sich dagegen viele

andere einstellen: Die Millionenstadt Köln, deren Inzidenz ebenfalls
über 100 liegt, hatte am Freitag angekündigt, aufgrund stark
steigender Fallzahlen von einem entsprechenden Antrag beim Land
derzeit abzusehen. Auch Hagen teilte mit, die Testoption zunächst
nicht nutzen zu wollen. Angesichts einer Inzidenz über 200 setze man
weiterhin auf die «konsequente Einschränkung von Kontakten, die
Notbremse greife. Läden, Museen, Kosmetikstudios, Zoos und bleiben
dort ab Montag wieder dicht.