Musikschulen - Eltern wählen Instrumente je nach Ansteckungsrisiko

27.03.2021 04:00

Corona verändert auch die Musikausbildung vieler Kinder. Musikschulen
unterrichten mit Spuckschutzwänden oder digital. Nicht alles
funktioniert. Flöte und Trompete werden plötzlich unbeliebter.

Ludwigshafen/Koblenz (dpa/lrs) - Manche Eltern und Kinder reagieren
inzwischen bei der Wahl eines Musikinstruments auf die
Ansteckungsgefahr von Corona. «Eltern fragen mittlerweile eher nach
Instrumenten mit weniger Ausstoß von Aerosolen», sagte der
Vorsitzende des Landesverbands der Musikschulen in Rheinland-Pfalz,
Christoph Utz, der Deutschen Presse-Agentur. «Dann wählen sie zum
Beispiel Klavier statt Blockflöte. Da sind Eltern pragmatisch.»
Bläser und Sänger stoßen mehr Aerosole aus: winzige ausgeatmete
Partikel, die Träger des hochansteckenden Corona-Virus sein können.

Insgesamt ist die Nachfrage nach Instrumentalunterricht an den 42
kommunalen Musikschulen im Landesverband laut Utz nicht gesunken.
Schwierig sei es in Seuchenzeiten aber mit Musikerlebnissen in
Gruppen. Musikalische Früherziehung in Kitas, Ensemble-Unterricht und
Kooperationen mit Ganztagsschulen seien wegen der Ansteckungsgefahr
kaum in herkömmlicher Weise möglich.

Die Leiterin der Musikschule der Stadt Koblenz, Katrin Bleier,
erklärte zum Beispiel: «Bei uns findet aktuell gemäß der
Corona-Landesverordnung Einzelunterricht in Präsenz statt mit
Ausnahme von Blasinstrumenten und Gesang. Alles Weitere findet als
Digitalunterricht statt.» Oft wird improvisiert. Das zeigt in Koblenz
das Beispiel des Geigenschülers Quan Nguyen: Seine Lehrerin Rita
Hazzan spielt ihm hinter einer Spuckschutzwand aus Dachlatten und
einer Kunststoffscheibe vor. Quan Nguyen sagt, das sei für ihn nun
normal, weil diese Unterrichtsart ja schon fast ein Jahr andauere.

Digital zusammengeschaltetes Gruppenspiel ist laut Bleier und Utz,
der die Musikschule des Rhein-Pfalz-Kreises leitet, nur bedingt
möglich: Auch bei modernsten Computerprogrammen gebe es stets kleine
Verzögerungen (Latenzen) - nicht alles passe zeitlich genau zusammen.
Utz sagte, die Freude am herkömmlichen Zusammenspiel mit
gegenseitiger Motivation fehle vielen Schülern.

Erlaubt sei gegenwärtig in Rheinland-Pfalz immerhin der
Musikgruppenunterricht im Freien mit bis zu 20 Kindern und einer
erwachsenen Lehrkraft. «Aber finden Sie mal einen geeigneten Platz
dafür mit Regen- und Sonnenschutz, Toiletten und nicht zu vielem
Straßenlärm», sagte der Vorsitzende des Landesverbands der
Musikschulen. Kindergärten und Schulen könnten coronabedingt in der
Regel nicht für musikalische Proben genutzt werden.

An die Politik adressierte Utz drei Forderungen. Erstens eine
«Drei-Drittel-Finanzierung» der Musikschulen: Neben Kommunen und
Eltern müsse auch das Land rund 33 und nicht wie derzeit im
Durchschnitt nur 8 Prozent der Kosten übernehmen. Zweitens mehr Hilfe
bei der digitalen Ausstattung von Musikschulen. Drittens forderte Utz
mehr Unterstützung bei der Festanstellung von Pädagogen an
Musikschulen - etwa die Hälfte im Land arbeite nur auf Honorarbasis.