Entscheidung im Schmerzensgeld-Prozess gegen Heilpraktikerin erwartet

25.03.2021 05:30

Eine krebskranke Frau bricht eine Chemotherapie ab und verlässt sich
auf Schlangengift-Kapseln. Kurz darauf stirbt die junge Mutter. Ihr
Partner fordert im Namen des gemeinsamen kleinen Sohnes
Schmerzensgeld. Das Gericht muss nun entscheiden, ob er es bekommt.

München (dpa) - Muss eine Heilpraktikerin einem fünf Jahre alten
Jungen Schmerzensgeld zahlen, weil seine Mutter an Krebs starb? Das
entscheidet das Oberlandesgericht (OLG) voraussichtlich am Donnerstag
(8.55 Uhr).

Der Vater des Jungen verlangt für das Kind insgesamt 170 000 Euro
Schadenersatz und Schmerzensgeld von der Heilpraktikerin seiner
Partnerin - weil sie ihr dazu geraten haben soll, auf eine
schulmedizinische Behandlung zu verzichten, obwohl sie an
Gebärmutterhalskrebs erkrankt war. Die Heilpraktikerin, die ihre
Patientin mit Präparaten aus Schlangengift, sogenannten
Horvi-Präparaten, behandelt hatte, bestreitet das.

Es sei der freie Wille der Patientin gewesen, die Strahlentherapie
abzubrechen, die Heilpraktikerin habe sie im Gegenteil sogar gefragt,
ob sie sich nicht vorstellen könne, diese Therapie wieder
aufzunehmen: «Fühl' mal in Dich rein.» Ein strafrechtliches
Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen die Naturheilerin
wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung wurde eingestellt.

Das Landgericht Passau hatte die Klage abgewiesen, gegen das Urteil
legte der Kläger Rechtsmittel ein. Zu Beginn des Prozesses am
Oberlandesgericht im Mai 2020 hatte der Vorsitzende Richter Thomas
Steiner an die Streitparteien appelliert, sich auf einen Vergleich zu
einigen.

Nach Angaben des Klägers ging es bei dem Vorschlag des Gerichtes um
einen Vergleich über 45 000 Euro. 30 000 Euro Schmerzensgeld sollte
der Sohn demnach bekommen - zahlbar in Raten bis zu dessen 21.
Geburtstag. Der Vater sollte 15 000 Euro für den Unterhalt des Kindes
bekommen.

Da das Gericht nun einen Verkündungstermin für diesen Donnerstag
angesetzt hat, ist es wohl nicht zu einer Einigung über diesen
Vorschlag gekommen. Der Deutschen Presse-Agentur hatte der Kläger
Anfang des Monats gesagt: «Ich bin bereit, zum BGH zu gehen, wenn es
wirklich nötig wäre.» Sein Ziel: «Dass diese Frau niemanden mehr
behandeln darf». Er wolle «Frauen davor warnen, dass sie sich auf
eine Heilpraktikerin einlassen», wenn sie an Krebs erkrankt sind.