Nach einem Monat Corona-Lockdown: Erste Lockerungen in Israel

18.10.2020 08:43

Tel Aviv (dpa) - Nach einem Monat Corona-Lockdown sind in Israel am
Sonntag erste Lockerungen in Kraft getreten. Kindergärten und
Vorschulen öffneten zu Beginn der israelischen Arbeitswoche ihre Tore
für Hunderttausende Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren. Auch
Einrichtungen ohne Publikumsverkehr dürfen ihre Arbeit wieder
aufnehmen. Die Auflage, dass Bürger sich nicht weiter als einen
Kilometer von ihrem Zuhause entfernen dürfen, wurde aufgehoben.

Auch Naturparks und Strände können wieder besucht werden. Restaurants
dürfen Mahlzeiten zur Abholung verkaufen. Die Klagemauer, die
Grabeskirche sowie der Tempelberg in Jerusalem sollen unter Auflagen
für Besucher zugänglich sein. Es gelten jedoch weiterhin
Versammlungsbeschränkungen.

Nach einem glimpflichen Verlauf zu Beginn der Pandemie waren die
Corona-Infektionszahlen in Israel nach ersten Lockerungen im Mai
dramatisch angestiegen. Ein seit dem 18. September geltender zweiter
landesweiter Lockdown ließ die Zahlen dann wieder deutlich sinken.
Die Zahl der täglichen Neuinfektionen konnte von mehr als 9000 am 30.
September auf unter 2000 gedrückt werden.

Am Sonntag verzeichnete das Gesundheitsministerium nur 395 neue
Fälle. In Deutschland, das etwa neunmal so viele Einwohner wie Israel
hat, meldeten die Gesundheitsämter am Sonntag 5587 Fälle in 24
Stunden.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich in Israel mit seinen rund
neun Millionen Einwohnern nach offiziellen Angaben mindestens 302 832
Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. 2190
Menschen starben bisher in Verbindung mit einer Corona-Infektion.

Die Regierung will neue Lockerungen jetzt vorsichtiger und langsamer
umsetzen. Dennoch herrscht die Sorge vor einem Neuanstieg von
Infektionen, auch angesichts zahlreicher Regelverstöße. Das
israelische Fernsehen berichtete am Sonntag, entgegen den
Vorschriften seien ultraorthodoxe Schulen wieder geöffnet worden.
Gerade in strengreligiösen Wohnvierteln hatte es besonders hohe
Corona-Infektionszahlen gegeben. Dort leben häufig große Familien in
beengten Verhältnissen zusammen.