Weihnachtsgeld vorzeitig auszahlen? Handelsverband zurückhaltend

17.10.2020 12:58

Wie kann man dem Einzelhandel in der schwierigen Corona-Zeit helfen?
Etwa mit einem früher ausgezahlten Weihnachtsgeld, schlägt ein
Politiker vor. Die betroffene Branche ist skeptisch.

Berlin (dpa) - Der Handelsverband Deutschland hat zurückhaltend auf
Vorschläge von Politikern reagiert, Weihnachtsgeld-Zahlungen
vorzuziehen und damit den Einzelhandel zu stärken.
Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte am Samstag auf Anfrage der
Deutschen Presse-Agentur: «Wir begrüßen alle Maßnahmen, die unseren

Innenstadt-Einzelhändlern helfen, durch diese Corona-Krise zu kommen.
Eine vorgezogene Auszahlung des Weihnachtsgeldes hilft wahrscheinlich
den Geschäften in der Innenstadt jedoch nur in sehr geringem Umfang.
Leider meiden viele Kunden zurzeit den Einkaufsbummel, weil sie in
Corona-Zeiten möglichst wenigen Menschen begegnen wollen.»

Zudem sei zurzeit die Sparquote sehr hoch. Viele Verbraucher hielten
ihr Geld angesichts unsicherer Zukunftsperspektiven lieber zusammen,
so Genth. «Für die in Not geratenen Händler wären deshalb direkte
Hilfszahlungen wie mit den staatlichen Überbrückungshilfen, die
unbedingt verlängert werden müssen, zielführender.»

Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf hatte
der «Bild»-Zeitung (Samstag) gesagt: «Wir müssen den Einzelhandel
jetzt unterstützen. Deshalb appelliere ich an Firmen, das
Weihnachtsgeld schon mit dem Oktobergehalt auszuzahlen.» Dann könnten
viele Menschen ihre Weihnachtseinkäufe schon in den nächsten Wochen
erledigen, und der Handel müsste sich dann «vor einem hoffentlich
vermeidbaren zweiten Lockdown vor Weihnachten nicht ganz so stark
fürchten.» Baldauf ist Spitzenkandidat der CDU Rheinland-Pfalz für
die Landtagswahl 2021.

Ähnlich äußerte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post. «D
as
würde die Lage in den Einkaufszonen im Weihnachtsgeschäft entspannen
und wäre eine große Hilfe für den stationären Einzelhandel», sagt
e er
zu vorgezogenen Weihnachtsgeldauszahlungen. FDP-Fraktionsvize Michael
Theurer sagte der «Bild»-Zeitung: «Bevor das Ganze bei anonymen
Online-Riesen landet, wäre es großartig wenn die Unternehmen, die
trotz Corona noch Weihnachtsgeld zahlen können, dessen Auszahlung
vorziehen.»

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plant, die bisher bis
zum Jahresende laufenden Überbrückungshilfen für coronabedingt
besonders hart getroffene Firmen um ein halbes Jahr bis zum 30. Juni
2021 zu verlängern.