Vermeidbare Gesundheitsrisiken erhöhen Corona-Todesrisiko

16.10.2020 06:55

Seattle (dpa) - Die Corona-Pandemie trifft auf eine Weltbevölkerung,
deren Gesundheit ohnehin schon gefährdet ist. Das ist das Fazit einer
der weltweit größten Gesundheitsstudien. Besondere Risikofaktoren
seien Übergewicht, ein zu hoher Blutzuckerwert, mangelnde Bewegung
und Luftverschmutzung durch Feinstaub sowie die damit einhergehenden
Krankheiten. Jene Faktoren bedrohten zudem die gesundheitlichen
Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte, heißt es in der jüngsten
Ausgabe der Studienserie «Global Burden of Disease», die in der
Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht wurde.

«Viele dieser Risikofaktoren sind vermeidbar und behandelbar, und
ihre Bekämpfung wird enorme soziale und wirtschaftliche Vorteile
bringen», kommentiert Studienleiter Christopher Murray von der
University of Washington in Seattle. Für Deutschland stellt die
Studie folgende zentrale Ergebnisse fest:

LEBENSERWARTUNG: Deutschland gehörte 2019 weltweit zu den Ländern mit
der höchsten Lebenserwartung (Frauen 83,5 Jahre, Männer 78,9 Jahre).
Allerdings liegt diese für Männer, die 2019 geboren wurden, um 0,3
Jahre niedriger, als es der soziodemografische Index, der sich etwa
aus Einkommen und Schuljahren ergibt, erwarten ließe. Die Zahl der
Jahre gesunder Lebenserwartung - also der Jahre, die jemand erwarten
kann, in Gesundheit zu leben - liegt laut Studie bei 69,5 Jahren.

NICHTÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN: Diese sind heute für über 80 Prozent
aller vorzeitigen Todesfälle und schlechten Gesundheitszustände in
Europa verantwortlich. Für Deutschland nennen die Autoren als fünf
Haupttodesursachen durch nicht übertragbare Krankheiten koronare
Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Lungenkrebs, Alzheimer und andere
Demenzerkrankungen sowie chronisch obstruktive Lungenerkrankungen.

RISIKOFAKTOREN. Die zentralen Risikofaktoren für vorzeitige
Todesfälle und schlechte Gesundheitszustände waren in Deutschland
2019 Tabakkonsum, Bluthochdruck, hoher Blutzucker, ein hoher
Body-Mass-Index (BMI) und eine ungünstige Ernährung.

Zusammengefasst zeige die Studie, so die Autoren, dass sich die Welt
mit Blick auf die bis dahin stetig steigende Lebenserwartung an einem
Wendepunkt befinden könnte. Sie empfehlen daher, dringend Maßnahmen
zur Bekämpfung des globalen Zusammenspiels aus chronischen
Krankheiten, sozialen Ungleichheiten und Covid-19 zu ergreifen.