WHO Europa: Corona-Maßnahmen müssen verstärkt werden

15.10.2020 12:54

Kopenhagen (dpa) - Angesichts steigender Infektionszahlen in Europa
spricht sich das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation WHO für

eine zielgerichtete Ausweitung der Corona-Maßnahmen aus. Die
Reaktionen auf die wachsenden Fallzahlen müssten an die nationalen
und subnationalen Gegebenheiten angepasst werden, sagte
WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag auf seiner
wöchentlichen Online-Pressekonferenz in Kopenhagen. «Aber ganz
allgemein ist es Zeit, um die restrikten Maßnahmen zu verstärken -
mit Lockdowns als allerletztem Ausweg.»

Man wisse heute sehr präziser als während der ersten Corona-Hochphase
im März, was getan werden könne und müsse, um die Ausbreitung des
Virus einzudämmen, sagte Kluge. Regierungen sollten sich nicht mit
relativ kleinen Maßnahmen zurückhalten, um so größere Beschränkun
gen
wie im Frühjahr zu vermeiden. «Eine Menge liegt in unseren Händen -
in den Händen der Regierungen und der Menschen.» Es müsse unter
anderem alles dafür getan werden, dass Schulen offen bleiben könnten.

Die Region Europa, zu der die WHO insgesamt 53 Länder zählt, habe nun

mit fast 700 000 gemeldeten Fällen die höchsten wöchentlichen Zahle
n
seit Beginn der Pandemie verzeichnet, berichtete Kluge. Innerhalb von
nur zehn Tagen sei die Gesamtzahl der Infektionen von sechs auf
sieben Millionen angestiegen. Dies bedeute nicht, dass man zurück in
der Situation Mitte März sei. Obwohl zwei- bis dreimal mehr
Infektionen pro Tag registriert würden als im April, gebe es fünfmal
weniger Todesfälle.

Dennoch sei man bei der WHO sehr besorgt, machte Kluge klar.
Prognosen verlässlicher epidemiologischer Modelle deuteten darauf
hin, dass ein länger anhaltendes lockeres Vorgehen die tägliche
Sterblichkeit bis Januar 2021 auf das Vier- bis Fünffache der Werte
aus dem April 2020 katapultieren könnte. Dieselben Modelle zeigten
jedoch auch, dass durch einfache Maßnahmen wie das konsequente Tragen
von Masken und die strikte Kontrolle von Versammlungen bis Anfang
Februar schätzungsweise 281 000 Leben in der europäischen Region
gerettet werden könnten. «Die Pandemie wird ihren Kurs nicht von
selbst umkehren, aber wir werden. Eine verhältnismäßige und gezielte

Reaktion ist der Weg voran», sagte Kluge.