Ramelow will Personalreserve für Gesundheitsämter

15.10.2020 05:00

Der Kontaktnachverfolgung kommt nach Ansicht des Linke-Politikers
Ramelow eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung der Corona-Pandemie
zu. Bei einem Treffen einigten sich die Ministerpräsidenten der
Länder mit Kanzlerin Merkel auf strengere Corona-Regeln. Thüringen
will diese umsetzen, sagte Ramelow.

Berlin/Erfurt (dpa) - Thüringen will eine Personalreserve für die
Gesundheitsämter im Land prüfen. Das kündigte Ministerpräsident Bod
o
Ramelow (Linke) nach einem Treffen der Regierungschefs der Länder mit
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. «Die Nachverfolgung wird das
Schlüsselelement der Abwehr sein», sagte Ramelow. Daher wolle man
schauen, ob mit «Medizinstudenten und mit Personal, das
möglicherweise an anderen Stellen bei uns in den Verwaltungen tätig
ist, eine Reserve aufgebaut wird, die ganz schnell in der Lage ist,
an den Gesundheitsämtern zum Einsatz zu kommen, wo Hilfe gebraucht
wird.»

Der Linke-Politiker bezeichnete die Situation in der Corona-Pandemie
als ernst und wies darauf hin, dass auch die Infektionszahlen in
Thüringen zuletzt gestiegen sind. «Jetzt bin ich noch nicht so
besorgt, dass ich denke, wir haben es in Thüringen nicht im Griff»,
sagte Ramelow. Aber: Bei den Neuinfektionen pro Tag gebe es derzeit
die höchsten Werte seit März/April - hier werde er «hellwach», sagt
e
Ramelow. «Oberste Priorität hat der Kampf gegen die Epidemie.»

Die Ministerpräsidenten der Länder und die Kanzlerin hatten sich am
Mittwoch auf strengere Anti-Corona-Maßnahmen verständigt. So soll es
ab einem Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben
Tagen eine Sperrstunde um 23.00 Uhr für die Gastronomie geben. Bars
und Clubs sollen dann geschlossen werden.

Außerdem sollen private Feiern begrenzt werden, wo die Neuinfektionen
den Schwellenwert von 35 Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben
Tagen übersteigen. Dann sollen höchstens noch 25 Menschen an privaten
Feiern im öffentlichen und 15 Teilnehmern im privaten Raum teilnehmen
können. Ramelow sagte es gebe «einen auffälligen Befund in
Deutschland», dass Feiern ein großer Treiber des Infektionsgeschehens
seien.

Zugleich kündigte er an, das Thüringen die beschlossenen Regeln
umsetzen wolle. «Das sind die Maßnahmen, auf die sich dann auch
Thüringen wird einstellen müssen», sagte Ramelow. Die aktuelle
Corona-Verordnung läuft im Freistaat noch bis Ende Oktober. Es werde
Anpassungen geben, machte Ramelow klar, «aber immer abhängig vom
Infektionsgeschehen.»

Der Thüringer CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Voigt sagte, es brauche
klare Regeln und einen «verbindlichen Rahmen für das gesamte
Bundesgebiet». Einen zweiten Lockdown dürfe es nicht geben.
«Wöchentliche Änderungen und uneinheitlich angewandte Normen wie beim

Beherbergungsverbot schaffen nur Verunsicherung», sagte Voigt.