«Achterbahn der Symptome»: Melania Trump schildert Corona-Infektion Von Lena Klimkeit, dpa

15.10.2020 04:12

US-Präsident Trump rief die Amerikaner nach seiner Entlassung aus dem
Krankenhaus auf, keine Angst vor Corona zu haben. Seine Ehefrau
schlägt nach ihrer Genesung andere Töne an. Und sie macht klar, dass
sich noch ein Mitglied der Präsidentenfamilie angesteckt hatte.

Washington (dpa) - Fast zwei Wochen nach ihrer Corona-Diagnose hat
First Lady Melania Trump bekanntgegeben, dass sich neben US-Präsident
Donald Trump und ihr auch Sohn Barron mit dem Virus angesteckt hatte.
Der 14-Jährige habe keine Symptome gezeigt und sei mittlerweile
wieder negativ auf das Coronavirus getestet worden, erklärte Melania
Trump am Mittwoch.

Die 50-Jährige blickte in ihrer Mitteilung auf ihre eigene
Covid-19-Erkrankung zurück. «Ich hatte großes Glück, dass meine
Diagnose mit minimalen Symptomen einherging, obwohl sie mich alle auf
einmal trafen und es in den Tagen danach eine Achterbahn der Symptome
zu sein schien.» Sie sei mittlerweile negativ auf das Coronavirus
getestet worden und werde demnächst wieder ihren Verpflichtungen
nachkommen.

Die Corona-Diagnose des US-Präsidenten hatte die USA wenige Wochen
vor der Wahl am 3. November in eine beispiellose Unsicherheit
gestürzt. Sein Krankheitsverlauf und insbesondere sein dreitägiger
Klinikaufenthalt wurden mit ebenso großer Aufmerksamkeit wie seine
Rückkehr in die Öffentlichkeit verfolgt. Die First Lady, die im
Weißen Haus blieb, rückte derweil in den Hintergrund.

Nach Sohn Barron schien niemand mehr zu fragen, nachdem Sprecherin
Stephanie Grisham am 2. Oktober von einem negativen Testergebnis
berichtet hatte. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Melania Trump
schrieb nun: «Wie so viele Eltern in den vergangenen Monaten konnte
ich auch ich nicht anders als zu denken: «Was ist mit morgen oder
übermorgen?» Meine Befürchtung erfüllte sich, als er erneut geteste
t
wurde und der Test positiv ausfiel. Zum Glück ist er ein starker
Teenager und zeigte keine Symptome.»

Trump hat insbesondere seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus
am Montag vergangener Woche alle Gelegenheiten genutzt, um Stärke zu
demonstrieren. Die Amerikaner rief er bei der Rückkehr ins Weiße Haus
dazu auf, «keine Angst vor Covid» zu haben und sich das Leben davon
nicht bestimmen zu lassen. Er behauptete zudem, sich besser als vor
20 Jahren zu fühlen. Über die Infektion seines Sohnes sagte Trump am
Mittwochabend vor Anhängern in Des Moines im US-Bundesstaat Iowa: «Er

hatte es für so eine kurze Zeit. Ich denke nicht einmal, dass er
wusste, dass er es hatte.»

Während Trump vorgeworfen wird, die Gefahr durch das Virus
herunterzuspielen und keine Empathie zu zeigen, schlug die First Lady
andere Töne an und brachte ihr Mitgefühl mit anderen Betroffenen zum
Ausdruck. «Wenn Sie krank sind oder wenn Sie einen geliebten Menschen
haben, der krank ist, denke ich an Sie und werde jeden Tag an Sie
denken», schrieb Melania Trump.

Die First Lady machte auch deutlich, dass es nicht selbstverständlich
ist, so umsorgt zu werden wie die Familie des US-Präsidenten. Und sie
führte aus, welche Symptome sie erlebte: «Ich hatte Körperschmerzen,

Husten und Kopfschmerzen und habe mich die meiste Zeit extrem müde
gefühlt.» Sie habe in medizinischer Hinsicht einen
«natürlicheren Weg» gewählt und sich «mehr für Vitamine und g
esundes
Essen» entschieden.

Ihr knapp 24 Jahre älterer Mann dürfte - wie viele andere Patienten -
keine andere Wahl als eine aggressive Behandlung gehabt haben: Er war
unter anderem mit dem antiviralen Medikament Remdesivir,
Entzündungshemmern und einem experimentellen Antikörper-Cocktail
behandelt worden. Die Therapie ließ vielen Experten zufolge -
entgegen der Darstellung des Weißen Hauses - auf eine ernstere
Erkrankung schließen.

Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs steigt bei Corona mit
dem Alter an. Weltweit wird an effektiven Behandlungsmethoden
geforscht. Medikamente wie Remdesivir oder Dexamethason werden bei
schweren Verläufen eingesetzt.

Melania Trump schrieb, sie habe während ihrer Genesung die
Gelegenheit gehabt, über viele Dinge nachzudenken - über ihre
Familie, ihre Freunde und ihre Arbeit. Sie habe auch über die
«Hunderttausenden Menschen» nachgedacht, die im ganzen Land ebenfalls
von der Krankheit betroffen seien. Hunderttausende greift allerdings
zu kurz: In den USA sind fast 7,9 Millionen Ansteckungen nachgewiesen
worden. Mehr als 216 000 Menschen starben bislang nach einer
Infektion.