237 neue Corona-Fälle - Auch Vulkaneifel über kritischem Wert

14.10.2020 18:51

Der Kreis Neuwied bleibt über der Schwelle von 50 Corona-Infektionen
pro 100 000 Einwohner. Zudem wird in der Liste nun ein weiterer
Landkreis aufgeführt. Behördenmitarbeiter klagen über Beschimpfungen

bei der Kontaktverfolgung.

Mainz (dpa/lrs) - Die Zahl der neu gemeldeten Corona-Infektionen in
Rheinland-Pfalz ist binnen 24 Stunden um 237 gestiegen. Insgesamt
wurden damit seit Beginn der Pandemie 12 637 bestätigte Fälle
registriert, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte
(Stand 14.00 Uhr). 2130 Menschen im Land sind aktuell mit dem
Coronavirus infiziert. Mit Stand Mittwoch wurden den Angaben zufolge
landesweit von den Krankenhäusern 97 Patientinnen und Patienten mit
der vom Coronavirus verursachten Krankheit Covid-19 gemeldet. 23
davon sind auf der Intensivstation, 18 beatmungspflichtig. Als
genesen gelten 10 189 Menschen. Die Zahl der Todesfälle im
Zusammenhang mit dem Virus blieb unverändert bei 260.

Über oder genau auf dem kritischen Wert von 50 Corona-Infektionen pro
100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lagen den Angaben
zufolge der Kreis Bitburg-Prüm (132), die Stadt Mainz (67) und der
Kreis Vulkaneifel (50). Damit hat laut Ministerium auch dieser
Landkreis den Schwellenwert zur Alarmstufe Rot des Corona-Warn- und
Aktionsplans erreicht. Der Leiter der regionalen Task Forces, Detlef
Placzek, werde nun einen lokaler Krisenstab zusammenrufen, der
spätestens an diesem Donnerstag über nötige Maßnahmen beraten und
notwendige Beschränkungen empfehlen werde.

Im Landkreis Neuwied dagegen sank der Wert innerhalb eines Tages laut
Landeszahlen von 50 auf 40. Am Abend legte die Verwaltung aber
eigene, höhere Zahlen vor: Nach 25 neuen Covid-Erkrankungen ergebe
sich eine Inzidenz von 52,4. Damit liege man weiterhin in der
Warnstufe «rot».

Im Landkreis Bitburg-Prüm, der mit seiner Sieben-Tages-Inzidenz von
132 bundesweit zu den am stärksten betroffenen Kommunen gehört,
treten an diesem Donnerstag bis zum 30. November einige Maßnahmen zur
Eindämmung der Pandemie in Kraft. So dürfen zu privaten Feiern
maximal zehn Personen aus bis zu zwei Haushalten zusammenkommen. Auch
beim Tragen einer Maske im öffentlichen Raum müsse ein Mindestabstand
von 1,50 Metern zu anderen Personen eingehalten werden. Die
Entwicklung geht nach Angaben der Kreisverwaltung vor allem auf zwei
private Geburtstagsfeiern am vorvergangenen Wochenende zurück, an
denen überwiegend junge Leute teilgenommen hätten.

Die Kontaktverfolgung von Infizierten stellt unterdessen die
Gesundheitsämter in vielen Landkreisen vor große Herausforderungen.
«Wir sind hier ganz Oberkante Unterlippe», beschreibt der Sprecher
des Kreises Mainz-Bingen, Bardo Faust, die Belastung. Die
Kreisverwaltung Trier-Saarburg will jetzt die Bundeswehr um
Unterstützung bitten. «Die Belastung der Beschäftigten in
Gesundheits- und Ordnungsamt ist sehr stark und hält schon sehr lange
an - und es ist ja nicht absehbar, dass es besser wird», sagt
Sprecher Thomas Müller. Eine funktionierende Computer-Software, die
es leichter macht, die Corona-Kontaktpersonen zu finden, gebe es noch
nicht, berichten die beiden Kreissprecher.

«Wir haben gar keine Zeit, uns damit auseinanderzusetzen», sagt
Landrat Achim Hallerbach (CDU) aus dem Kreis Neuwied zum Thema
Software. «Wir fahren die ganze Zeit auf Sicht.» Besonders belastend
für die Kollegen im Gesundheitsamt sei, dass das Klima am Telefon
deutlich rauer geworden sei. «Die Leute werden beschimpft und
beleidigt.» Viele Angerufene reagierten sehr unwirsch. «Die Akzeptanz
der Maßnahmen bröckelt.»

Nach Einschätzung des Leiters der Task Force zur Bekämpfung der
Corona-Pandemie, Detlef Placzek, sind große Familienfeiern und Partys
die Hauptursache für den starken Anstieg der Infektionen in
Rheinland-Pfalz. Es müsse bundesweit darüber nachgedacht werden,
solcher Veranstaltungen Herr zu werden, sagte Placzek der Deutschen
Presse-Agentur in Mainz. Denn die Gäste solcher Feiern wohnten
mitunter in anderen Bundesländern und trügen das Virus so über die
Landesgrenzen.