Corona-Infektionsquelle oft nicht mehr ermittelbar

14.10.2020 04:55

Darmstadt/Wiesbaden (dpa/lhe) - Hessens Gesundheitsämter können einen
erheblichen Teil der neuen Corona-Infektionen nicht mehr bis zu ihrem
Ursprung zurückverfolgen. Die Quote der nicht mehr nachvollziehbaren
Ansteckungen lag in den vergangenen 14 Tagen je nach Kommune zwischen
29 und 76 Prozent, wie Stichproben der Deutschen Presse-Agentur bei
Städten und Kreisen mit erhöhten Infektionszahlen zeigen. In
Frankfurt beispielsweise konnte - abgesehen von größeren Ausbrüchen
in Einrichtungen - in weniger als 50 Prozent der gemeldeten Fälle,
eine Person oder Situation ermittelt werden, von der die Infektion
ausging.

Wird eine Corona-Infektion festgestellt, versuchen die Ämter die
Infektionskette nachzuvollziehen und zu unterbrechen. Doch angesichts
steigender Infiziertenzahlen arbeiten die Behörden vielerorts am
Limit. Der Verband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen
Gesundheitsdienstes kritisiert die bisherige Strategie: «Die Frage
ist: Ist es sinnvoll, allen Verdachtsfällen nachzujagen oder wenden
wir uns den kranken Leuten zu? Verbrennen wir weiter Laborkapazitäten
oder schalten wir langsam in den Modus medizinischer Vernunft um und
kümmern uns um die Infizierten/Kranken und Schutzbedürftigen?», sagte

Jürgen Krahn, Vorstand der Verbands in Hessen.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatte bei einer
Pressekonferenz am Montag das Ziel genannt, die Infiziertenzahlen
nach unten zu drücken, um eine Nachverfolgbarkeit von Infektionen
durch die Gesundheitsämter weiter zu gewährleisten.