US-Pharmakonzern Johnson & Johnson unterbricht Corona-Studie

13.10.2020 03:44

New Brunswick (dpa) - Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hat
seine Studie für einen künftigen Corona-Impfstoff wegen einer
ungeklärten Erkrankung eines Probanden vorübergehend unterbrochen.
Das teilte das Unternehmen am Montag (Ortszeit) mit. Die Erkrankung
des Studienteilnehmers werde nun von einer unabhängigen
Expertengruppe und von internen Ärzten geprüft und bewertet. Weitere
Informationen zu dem erkrankten Probanden gab es zunächst unter
Hinweis auf seine Privatsphäre nicht.

Johnson & Johnson teilte zudem mit, es sei nicht immer sofort
ersichtlich, ob ein Teilnehmer eine Studienbehandlung oder ein
Plazebo erhalten habe. «Unerwünschte Ereignisse» wie Krankheiten oder

Unfälle seien zu erwartende Bestandteile jeder klinischen Studie.

Am 23. September hatte das Unternehmen die letzte und entscheidende
Phase der klinischen Tests gestartet. In einer sogenannten
Phase III-Studie mit bis zu 60 000 Freiwilligen auf drei Kontinenten
sollten Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten namens
JNJ-78436735 überprüft werden. Die Besonderheit des Mittels ist, dass
nur eine Dosis ausreichend Schutz bieten soll. Das Unternehmen
hoffte, dass Anfang 2021 die ersten Dosen des Impfstoffs «für den
Notfallgebrauch» zur Verfügung stehen.

Mehrere Hersteller haben die vor der Zulassung nötigen Massentests
mit Zehntausenden Probanden gestartet. Die meisten Hersteller gehen
davon aus, dass für einen Schutz gegen das Coronavirus zweimal
geimpft werden muss. Bislang ist für keinen Impfstoff-Kandidaten
nachgewiesen worden, dass er wirklich vor einer Corona-Infektion
schützt.

Die EU-Kommission hatte vergangene Woche Bezugsrechte für einen
künftigen Impfstoff von Johnson & Johnson gesichert: Mit der
belgischen Tochter des US-Unternehmens schloss die EU-Behörde
Verträge über die mögliche Lieferung von Impfstoff für 200 Millione
n
Menschen. Vorgesehen ist zudem eine Option für weitere 200 Millionen
Personen. Bei Impfstoffen, die derzeit noch entwickelt werden, hatte
die Kommission schon ähnliche Verträge mit AstraZeneca und Sanofi-GSK
geschlossen, die ebenfalls aussichtsreiche Kandidaten testen. Bisher
ist aber noch keiner dieser Stoffe zugelassen.