Corona wirkt sich auf Freiwilligendienste aus - mehr FÖJ-Bewerbungen

12.10.2020 05:00

Freiwillige in Rheinland-Pfalz mussten sich durch die Corona-Krise
auf teils große Veränderungen einstellen. Manches fiel aus, immer
beliebter werden ökologische Dienste. Das liegt aber nicht nur an der
Pandemie.

Mainz (dpa/lrs) - Ob im Krankenhaus, Sportverein oder Umwelt- und
Artenschutz: Die Corona-Pandemie hat auch die Freiwilligendienste in
Rheinland-Pfalz teilweise erheblich verändert. Stellen im
Kulturbereich fielen weg, statt im Unterricht unterstützten
Freiwillige den Notbetrieb an Schulen. Doch nicht nur auf den
Betrieb, sondern auch auf die Bewerberzahlen für das Freiwillige
Soziale Jahr (FSJ), Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) oder den
Bundesfreiwilligendienst (BFD) hatte die Pandemie Einfluss.

Im Frühjahr nach Beginn der umfassenden Corona-Beschränkungen waren
die Bewerberzahlen zunächst zurückgegangen, wie die
Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Freiwilligendienste Rheinland-Pfalz
als Zusammenschluss von 31 Trägern mitteilte. Doch über die
Sommermonate stiegen die Zahlen wieder an. Letztendlich bleibt aber,
so die LAG, ein leichtes Minus im Vergleich zu den Vorjahren stehen.

Insgesamt leisteten nach Angaben der LAG zum 1. Dezember 2019 in
Rheinland-Pfalz 4768 Menschen ein FSJ, FÖJ oder BFD unter 27. Der
überwiegende Großteil, nämlich 3577, absolvierten ein FSJ. Besonders

beliebt sind demnach Freiwilligendienste im kulturellen Bereich, in
Kindergärten und Ganztagsschulen sowie im Sport.

«Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig
die Freiwilligendienste für Rheinland-Pfalz sind», teilte das
rheinland-pfälzische Jugendministerium mit, das für FSJ und BFD
zuständig ist. Dass die Bewerberzahlen nach dem Tief im Frühjahr
wieder stiegen, sei sehr erfreulich, «da gerade jetzt zahlreiche
Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens ganz besonders auf
Freiwillige angewiesen sind».

Für das FÖJ hatte für den derzeitigen Jahrgang in Rheinland-Pfalz nur

knapp jede sechste Bewerbung Erfolg. Auf 967 Bewerber, so berichtete
Dirk Hennig, Leiter der Zentralstelle FÖJ in Rheinland-Pfalz, kamen
145 Plätze. «Die Bewerbungszahlen im FÖJ sind im Vergleich zu den
Vorjahren stetig weiter gestiegen», sagte Hennig. Dazu beigetragen
habe im Bewerbungsverfahren für 2020/21 auch die Corona-Pandemie.

Diesjährige Teilnehmer berichteten Hennig zufolge, dass sie sich zum
Beispiel für ein FÖJ beworben hätten, weil ein zugesagter
Ausbildungsplatz wegen der Pandemie abgesagt oder der Start
verschoben worden sei. Ein FÖJ diente demnach teils auch als Ersatz
für ausgefallene längere Auslandsaufenthalte. Wesentlich größer sei

aber der «Fridays-for-Future-Effekt» gewesen. Die Bewerberzahlen
stiegen laut Hennig letztendlich stärker durch das größer werdende
Interesse an ökologischen Themen, insbesondere dem Klimaschutz.

Auch im kulturellen und sozialen Bereich waren die Auswirkungen der
Corona-Krise deutlich zu spüren. Der LAG zufolge stellten manche
kulturelle Einrichtungen zum 1. September gar keine Freiwilligen mehr
ein, weil sie geschlossen bleiben mussten. An Schulen seien die
Freiwilligen im Frühjahr neben der Notbetreuung von Schülern auch zur
Unterstützung bei Abi-Prüfungen eingesetzt worden.

Für Freiwilligendienste unter anderem im sozialen Bereich oder an
Schulen registrierte der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes
(DRK) nach eigenen Angaben von April bis September dieses Jahres etwa
zehn Prozent mehr Bewerbungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Dies sei aber eine normale Schwankung. Grundsätzlich sei die
Bewerberzahl in den vergangenen Jahren stabil geblieben. «Auch 2020
werden wir wieder unsere Freiwilligenzahl von circa 900 Freiwilligen
pro Jahrgang erzielen», teilte der DRK-Landesverband mit.

Im Rettungsdienst hingegen habe es coronabedingte Verzögerungen
gegeben, da die Lehrgänge zum Rettungssanitäter hatten verschoben
werden müssen. Die größte Veränderung betraf laut LAG die
begleitenden, gesetzlich vorgeschriebenen Seminare: Die hätten
demnach in kurzer Zeit von Präsenz- auf Online-Veranstaltungen
umgestellt werden müssen. «Insgesamt hat die Umstellung gut
geklappt», bilanzierte die Landesarbeitsgemeinschaft nun.