Wieder US-Forscher? Wirtschaftsnobelpreisträger werden verkündet

12.10.2020 04:30

US-Forscher sind besonders häufig unter den Namen, die als Favoriten
für den Wirtschaftsnobelpreis genannt werden. Auch diesmal haben
viele Ökonomen Amerikaner auf dem Zettel.

Stockholm (dpa) - Zum Abschluss der Nobelpreis-Bekanntgaben wird am
Montag verkündet, wer den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis erhält.

Frühestens um 11.45 Uhr wollte die Königlich-Schwedische Akademie der
Wissenschaften in Stockholm bekanntgeben, wer diesmal in der
Kategorie Wirtschaft geehrt wird. In der Vergangenheit ging der Preis
überaus häufig an Wissenschaftler aus den USA - und diesmal?

Dotiert ist die Auszeichnung mit zehn Millionen schwedischen Kronen
(rund 950 000 Euro) pro Kategorie, das ist eine Million Kronen mehr
als im Vorjahr. Damals war der Wirtschaftspreis an die Ökonomen
Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer gegangen, die damit
für ihre Verdienste im Kampf gegen die globale Armut ausgezeichnet
worden waren.

Der Wirtschaftsnobelpreis ist die einzige der Auszeichnungen, die
nicht auf das Testament von Dynamit-Erfinder und Preisstifter Alfred
Nobel zurückgeht. Er wird seit Ende der 60er Jahre von der
schwedischen Reichsbank gestiftet und gilt somit streng genommen
nicht als klassischer Nobelpreis. Dennoch wird er gemeinsam mit den
anderen Preisen an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht.

Die sonst so prunkvollen Preisverleihungen in Stockholm und Oslo
finden in diesem Jahr jedoch aufgrund der Coronavirus-Pandemie in
anderem und deutlich kleinerem Rahmen statt. In Stockholm, wo alle
Preise bis auf den Friedensnobelpreis überreicht werden, ist statt
der feierlichen Zeremonie im Konzerthaus diesmal eine im Fernsehen
übertragene Verleihung aus dem Rathaus geplant, auf der die
Preisträger aus ihrer jeweiligen Heimat zugeschaltet werden sollen.

Geht es nach Einschätzung deutscher Top-Ökonomen, dann dürften bei
dieser Verleihung am ehesten Amerikaner zugeschaltet werden:
US-Forscher dominieren seit jeher beim Wirtschaftsnobelpreis, und
auch diesmal werden viele Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten
zum Favoritenkreis gezählt, wie eine Umfrage der Deutschen
Presse-Agentur ergab.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW),
Marcel Fratzscher, plädiert für Maurice Obstfeld und Kenneth Rogoff.
Im Jahr der globalen Corona-Krise sei die Forschung der US-Ökonomen
umso relevanter. Hubertus Bardt, Geschäftsführer des Instituts der
deutschen Wirtschaft (IW), favorisiert den gebürtigen Inder Jagdish
Bhagwati, der der vermutlich einflussreichste Globalisierungsforscher
der Erde sei.

Achim Wambach, der Präsident des Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW), spricht sich für die US-Ökonomen Paul
Milgrom und Robert Wilson aus, die maßgeblich die Theorie von
Auktionen und deren Anwendung geprägt hätten. Hennig Vöpel, der
Direktor des Hamburgisches Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), hält
dagegen die türkischen Ökonomen Dani Rodrik und Daron Acemoglu für
preiswürdig. Die in Harvard und am Massachusetts Institute of
Technology lehrenden Forscher hätten mit ihren Arbeiten wesentlich zu
einem besseren Verständnis der politischen Ökonomie der
Globalisierung beigetragen.