im 2. Satz des Teasers) Europa wehrt sich gegen Corona - Viele Neuinfektionen

11.10.2020 15:44

Corona-Krisenrunden überall in Europa. Und die Zahlen sehen
vielerorts nicht gut aus. Die Sorgen, dass es in den nächsten Tagen
und Wochen noch schlimmer kommt, sind groß.

Berlin (dpa) - Die Corona-Krise ist in Europa das alles beherrschende
Thema. Mit dem Herbst steigt auch die Zahl der Neu-Infektionen wieder
deutlich. Überall wird in Krisenrunden beraten, wie eine zweite Welle
verhindert werden kann. Ein Überblick über die Lage in einigen
europäischen Staaten.

FRANKREICH meldete am Wochenende annähernd 27 000 Neu-Infektionen
innerhalb von 24 Stunden - so viele wie noch nie seit Beginn der
Pandemie. Die Zahl machte damit noch mal einen deutlichen Sprung nach
oben. Die Zahl der Todesfälle stieg bis Samstagabend um 54 auf
32 684. Insgesamt leben in Frankreich etwa 67 Millionen Menschen. In
Großstädten wie Paris, Lyon und Marseille gilt bereits die höchste
Corona-Warnstufe. Dort mussten Bars und gastronomische Einrichtungen,
die keine Speisen verkaufen, für zwei Wochen schließen.

In ITALIEN beraten Politik und Experten fast täglich in Krisenrunden
über neue Schritte, um die weitere Verbreitung des Virus zu stoppen.
Das 60-Millionen-Einwohner-Land, das im März Europas Corona-Hotspot
war, zählte am Samstag 5724 neue Ansteckungen binnen 24 Stunden. Es
kamen 29 Covid-19-Tote hinzu - nun sind es 36 140 Opfer. Inzwischen
muss auch im Freien Maske getragen werden. Jetzt berät die Regierung
in Rom darüber, private Feiern noch weiter einzuschränken. Auch
Menschentrauben, die abends vielerorts vor Bars und Restaurants zu
sehen sind, könnten verboten werden. Zudem drohen
nach Medienberichten Einschränkungen für den Amateursport in Gruppen.

GROSSBRITANNIEN steht nach Ansicht von Wissenschaftlern an einem
«Scheideweg» in der Corona-Krise. Der Epidemiologe Jonathan Van-Tam -
ein Berater von Premierminister Boris Johnson - sagte am Sonntag:
«Leider wird in den kommenden Wochen, genau wie die Nacht auf den Tag
folgt, die Zahl der Todesfälle zunehmen.» Großbritannien mit seinen
knapp 67 Millionen Einwohnern leidet sehr. Allein am Samstag wurden
mehr als 15 000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet.
Zehntausende sind gestorben. Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen,
weil Tests fehlen. Jeder Landesteil entscheidet über seine eigenen
Regeln. Johnson will Berichten zufolge am Montag ein neues
dreistufiges Maßnahmen-Paket für England vorstellen.

SPANIEN ist mit 850 000 Infektionen ebenfalls schlimm betroffen. Die
Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen lag
zuletzt bei 115. Im gleichen Zeitraum gab es 541 Tote. Der Anteil der
Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern steigt. Auch hier gilt
Maskenpflicht im Freien. Viele Gebiete und Gemeinden sind
abgeriegelt. Über die Hauptstadt verhängte die Regierung für
zwei Wochen den Notstand. Madrid und einige Vororten dürfen nur noch
mit triftigem Grund verlassen werden - etwa für den Weg zur Arbeit
oder für Arztbesuche. Betroffen sind knapp 4,8 Millionen Menschen.
Insgesamt hat Spanien etwa 47 Millionen Einwohner.

TSCHECHIEN: Die Zahl der Neu-Infektionen steigt nach Einschätzung der
Regierung enorm. Ministerpräsident Andrej Babis schließt inzwischen
einen zweiten Lockdown wie im Frühjahr nicht mehr aus. Am Freitag gab
es mit 8618 Neuinfektionen den vierten Tagesrekord in Folge. Am
Samstag kamen 4635 Fälle hinzu - dies war der höchste Wert an einem
Wochenende. Tschechien hat knapp 10,7 Millionen Einwohner und
verzeichnete seit Beginn der Pandemie 948 Todesfälle. Von Montag an
müssen Theater, Kinos, Museen, Galerien und Sportstätten schließen.

POLEN: Wegen der steigenden Zahlen hat Ministerpräsident Mateusz
Morawiecki strengere Maßnahmen angekündigt, auch die Wiedereinführung

von speziellen Einkaufsstunden nur für Ältere. Seit dem Wochenende
gilt Maskenpflicht auch im Freien. Die Behörden meldeten am Samstag
mit 5300 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden den fünften Tag in
Folge einen neuen Höchststand. Am Sonntag lag die Zahl bei 4178.
Polen hat knapp 38 Millionen Einwohner. Es ist das einzige
Nachbarland Deutschlands, das vom Auswärtigen Amt noch nicht ganz
oder teilweise als Risikogebiet eingestuft wurde.